Düfte aus 1001 Nacht
Die Küche des Orients gilt als eine der raffiniertesten und aromareichsten der Welt. Kein Wunder, dass exotische Gewürze – dezent eingesetzt – dabei eine bedeutende Rolle spielen.
Geselligkeit und Gastfreundschaft
„Sage nie, es sei einfach Essen – das gesegnete Mahl ist eine ganze Kultur für sich“, sagt der türkische Schriftsteller Abdulhak Sinasi über die Küche seines Landes. Das Gleiche lässt sich ohne Einschränkung über das Speisen im gesamten Orient sagen. Gemeinsames Schmausen ist selbstverständlicher Bestandteil des Familienlebens, der Geselligkeit und der Gastfreundschaft. Das Morgenland, wie der Orient (lat. oriens = aufgehende Sonne, Osten) früher genannt wurde, reicht von den Ländern Nordafrikas über die arabischen Staaten im Nahen Osten bis hin zum Iran und Irak. Entsprechend vielfältig ist das Angebot an Speisen und Getränken – von schlicht und einfach bis aufwändig und raffiniert.
Der Hausherr bricht das Brot
So unterschiedlich und reichhaltig die Küche jeweils auch ist, Brot gehört zu jedem Essen. Ob Khubz, Pita oder Pide, das Fladenbrot mit den vielen Namen und der Tasche, die sich so gut füllen lässt, ist im gesamten Orient verbreitet und mehr als nur eine Beilage. Traditionell bricht der Hausherr vor dem Essen das Brot und verteilt es an die Tischgäste. Brot darf nie geschnitten werden, und Selbstbedienung ist verpönt. Jeder wartet, bis er den Korb gereicht bekommt – und weggeworfen wird nichts! Neben dem Brot spielen Vorspeisen (Mezze) eine wesentliche Rolle in der orientalischen Küche. Es ist nicht ungewöhnlich, dass bis zu 20 verschiedene Vorspeisenteller und -schalen auf dem Tisch ausgebreitet werden: gefüllte Weinblätter, pürierte Auberginen, verschiedene Sorten Oliven, getrocknete Tomaten, eingelegte Paprika, Salate mit Minze, Bulgur, Tomaten, Petersilie (Tabouleh) und Schafs- oder Ziegenkäse, Falafelbällchen, rote Bohnen in Zitronensaft und Olivenöl, Saucen, Dips und Pasten von scharf und feuerrot bis blassgelb und leicht süßlich (Hummus) – sowie natürlich mit Hackfleisch, Spinat oder anderem Gemüse gefüllte kleine Teigtaschen.
Fein abgestimmte Mischung von Gewürzen
Eine weitere wichtige Säule der orientalischen Küche sind die vielen, für unseren Gaumen exotischen Gewürze wie Kreuzkümmel, Bockshornklee, Kardamom, Kurkuma, Fenchelsamen, Piment, Koriander und Tamarinde. Kein orientalisches Gericht, ob Gemüse, Couscous oder Fleisch, Süßspeise oder Kompott, kommt ohne Gewürze aus. Und nie ist ein Gericht nur scharf oder nur süß, stets bestimmt eine fein abgestimmte Mischung von Gewürzen den Geschmack. Als Schnittstelle zwischen Indien, Asien und Europa war der Orient schon immer berühmt für seinen Reichtum an Gewürzen. Was immer an Zimt und Nelken, Muskat oder Pfeffer in den Mittelmeerraum und später dann nach Europa gelangte, hatte den Weg über die berühmten orientalischen und arabischen Gewürzstraßen genommen. Mit dem Gewürzhandel wurde in den vergangenen Jahrhunderten unermesslicher Reichtum angehäuft. Das änderte sich erst, als Vasco da Gama im Mai 1498 den Seeweg nach Indien entdeckte.
Appetitlicher Duft
Nur eine geringe Dosis eines Gewürzes ist nötig, um ein Stück Fleisch in eine Delikatesse zu verwandeln. Trockene Gewürze wie Pfeffer, Muskatnuss, Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom etc. werden traditionell stets als ganze Körner gekauft, unmittelbar vor dem Verbrauch in einer trockenen Pfanne leicht angebraten und dann gemahlen. Frische Gewürze wie Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Minze und Koriandergrün hingegen werden erst kurz vor dem Verzehr zur Speise hinzugefügt und sorgen so auch für appetitlichen Duft.