Entdecker-Lust
Außen hart, innen zart – das Verhüllen einer weichen Speise in einer krossen Schale ist international beliebt.
Wer genau die Idee hatte, Fleisch im Brotteig zu backen, Garnelen in Teig zu tauchen und zu fritieren oder Spaghetti in Pergamentpapier zu kochen, lässt sich nicht mehr feststellen. Tatsache ist, dass die Lust am Verhüllen und Verbergen uralt ist und auch in der Kochkunst der Welt ihre Spuren hinterlassen hat.
Die antike Tradition des Versteckens und Findens wird noch heute u. a. am Dreikönigstag in Frankreich gepflegt – mit dem „Galette des Rois“, dem Kuchen der Könige. Die flache, runde, mit Mandelcrème gefüllte Köstlichkeit aus Buchweizen-, Hefe- oder Blätterteig enthält eine kleine Porzellanfigur, im Französischen „fève“ (Bohne) genannt. Der Finder darf sich eine Papierkrone aufsetzen und ist für diesen Tag König.
Blätterteig
Blätterteig, hauchdünn, nur aus Mehl, Wasser und Salz sowie bis zu 70 Prozent Butter, ist eines der beliebtesten „Verpackungsmaterialien“ für Speisen. Ob in Pastetenform für Ragout fin, als Schlafrock für Würstchen, als Deckel für Suppentassen oder Umschlag für Lammrückenfilets: Blätterteig passt sich jeder Form an.
Ähnlicher Teig wird in vielen Ländern zum Einwickeln von Gemüse, Fleisch, Fisch oder Käse verwendet: In Griechenland ist Filo- oder Phyllo-Teig (griech. phyllon = Blatt) die Grundlage für gefüllte Tiropita (Käse), Spanakopita (Spinat) und Bourekakia (Hackfleisch), in der Türkei ist es der etwas dünnere Yufka-Teig und in Tunesien der Brik-Teig. Türkischen Ursprungs sind auch die auf Malta beliebten Pastizzi, die mit Ricotta, Hackfleisch, Anchovis oder Erbsen gefüllt werden.
Reispapier
In Asien übernimmt die Aufgabe des Blätterteigs oft Reispapier. Fleisch, Fisch, Geflügel, Gemüse oder Nudeln werden gewürzt in eingeweichtes Reispapier gewickelt und auf dem Ofenblech bei 180° bis 200° C gegart. Dabei wird das Reispapier knusprig, seidenfein, aber fest. Übrigens entsteht Reispapier nicht aus Reis, sondern handgeschöpft aus dem Mark eines Araliengewächses (Tetrapanax papyrifer).
Tempura
Von den Portugiesen lernten die Japaner den Genuss des in Teig gebackenen Fischs, den jene an Bet- und Danktagen (portug. tempuras) zu sich nahmen. Tempura kam in Mode. Für den Teig werden nur Weizen-, Mais- und Reismehl sowie Salz und Wasser verwendet. Jeder Koch hat seine eigene Mischung, auch fürs Öl, in dem die Teigwaren bei ca. 175° C ausgebacken werden. Tempura-Restaurants und -Bars bieten in Teig gebackene, frisch ausgelöste Shrimps, Prawns, Muscheln oder Fischstücke, Gemüse, Pilze oder Chrysanthemenblätter. Wahre Tempura-Meister tauchen gar Eiscreme in Teig und Fritierbad und schaffen so eine japanische Miniform der Eisbombe „Baked Alaska“.