Frische Fische!
Ob gegrillt, gekocht oder gebraten – sie alle enthalten Zaubermittel. Für Gesundheit, Intelligenz und gute Laune. Viele der Meeresbewohner sind gefährdet, andere kann man mit gutem Gewissen essen.
Kindheitserinnerungen
Der beste Fisch meiner Kindheit war blau. Ein Heringsfilet. Mit süßen Zwiebeln und noch süßeren Apfelstückchen in Sahnesauce auf einem blau-weiß gemusterten Teller serviert. Dazu gab’s Pellkartoffeln. Dann hörte ich, dass Altkanzler Bismarck auch ein großer Liebhaber vom Hering war und dass er neben der vielen Politik einen neuen Hering erfunden hat – den Bismarckhering. Da war ich stolz auf den Geschmack von uns beiden und habe mir vorgenommen, auch einen neuen Hering zu erfinden. Später aß ich auch andere Fische gern. Und als ich dann las, was sie an Zaubermitteln enthalten, war ich von ihnen geradezu hingerissen.
Da sind die Aminosäuren, aus denen unser Körper zusammengesetzt ist (neben dem vielen Wasser, versteht sich). Dazu die sagenhaften Omega-3-Fett-Säuren, die Herz und Kreislauf in Schwung halten, die Konzentrationsfähigkeit erhöhen und uns somit ein wenig klüger werden lassen. Welches Schulkind braucht das nicht? Und welcher Erwachsene ebenso? Und dann das Tryptophan: Das macht richtig lustig, was Lehrer zwar nicht mögen, aber die Schulkinder – und kluge Erwachsene – umso mehr.
Jetzt, nach vielen Jahren, begreife ich, weshalb meine Kindheit so glücklich gewesen ist. Aber auch für mein Alter haben die Fische vorgesorgt. In ausreichender Menge gegessen, sollen sie degenerativen Krankheiten entgegenwirken. So schrumpfen einem weder Herz noch Hirn. Und sollte ich eines Tages Rheuma bekommen, lindern die vielen Omega-3-Fettsäuren, die ich mittlerweile geschluckt habe, die Schmerzen. Das sind doch glänzende Aussichten, oder?
Gefährdete Fischarten und Profitgier
Andererseits habe ich ein schlechtes Gewissen: Denn vielleicht habe ich zu viel Fisch gegessen? 75 Prozent der Fischarten sind mittlerweile gefährdet, ganz zu verschwinden: Kabeljau, Tunfisch, Rotbarsch, Heilbutt, Seehecht, Scholle und Seezunge. Schuld, neben meinem Appetit, ist ein wenig auch die Geldgier der Fischer und Händler. Noch schuldiger sind die Politiker. Sie schaffen es offensichtlich nicht, den Fischern realistische, will heißen: nachhaltige Fangquoten aufzubrummen, die es ermöglichen, auch in den nächsten Jahren noch etwas zu fangen.
Schon jetzt sind in den Netzen zu viele Fische viel zu klein. Diese Fische konnten sich noch nicht vermehren, also gibt es im nächsten Jahr noch weniger von ihnen. Obendrein werden die Fangquoten nicht gründlich kontrolliert. Die einzig klugen Fischereibeamten sind die norwegischen. Denn sie schauen sich per Satellit, Radar und Hubschrauber genau an, was ihre Fischer denn so alles fangen. Tatsächlich kommt das meiste Seegetier, das wir noch mit ruhigem Gewissen essen dürfen, aus Norwegen: Seelachs, Makrele und der wunderbare Hering.
Frischer Fisch nur vom Händler Ihres Vertrauens
Da ich immer noch gerne Fisch esse, habe ich mich mit einem Fischhändler vom Markt angefreundet. Das ist auch nötig, wenn man frischen Fisch kaufen will. Die Sache erfordert nämlich eine gründliche Untersuchung. Zunächst schaut man dem Fisch tief in die Augen.Wenn Sie jetzt fragen, und was ist mit Fischfilets, dann kann ich Ihnen leider nur sagen: Kenner kaufen keine Fischfilets, weil die nämlich keine Augen haben! Kenner lassen frische Fischfilets herstellen. Dafür braucht man eben die Freundschaft des Händlers.
Die Augen also: Sie müssen glänzen, wie die einer Liebhaberin (zumindest) beim ersten Rendezvous. Sie dürfen nicht eingefallen sein. Die Haut sollte unverletzt und feucht sein, die Kiemen rosarot. Und natürlich darf der Fisch nicht nach Fisch riechen. Höchstens nach einer frischen Meeresbrise. Sie sehen, eine derartige Besichtigung erlaubt nur ein echter Freund. Dafür darf er den Fisch anschließend filetieren. Sagen Sie ihm sicherheitshalber, dass er die Haut dranlassen möchte – ansonsten trocknet das Fleisch in wenigen Stunden aus.
Fischstäbchen ...
Kinder in meiner Verwandtschaft essen gern Fischstäbchen. Sie haben keine Gräten, sind schon paniert, man muss sie nur kurz braten. Dafür haben sie auch keine Ähnlichkeit mit einem Fisch. Meine Enkelin fragte angesichts des ersten Fischstäbchens ihres fünfjährigen Lebens: „Wo hatte dieser Fisch eigentlich seine Beine?“ Es folgte eine längere Erklärung über die Anatomie der Meeresbewohner.
Zum Glück ist es dem Stäbchen egal, aus welchem Fisch es hergestellt wird. So können es welche sein, von denen noch einigermaßen viele im Meer schwimmen. Man muss allerdings auf die Packung schauen. Wenn dort Seelachs steht, ist es okay. Dem Kind schmeckt es, und der verantwortungsvolle Erwachsene hat ein gutes Gewissen.
Informationen über Fisch finden Sie unter www.fischinfo.de