Ganz schön scharf!
Warum essen manche Menschen gerne scharf – so scharf, dass ihnen die Tränen kommen? Es gibt viele Gründe: persönliche, religiöse und gesundheitliche. Für die einen ist es der individuelle Geschmackskick, für die anderen ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens. Vor allem in warmen Ländern ist scharfes Essen ein bewährtes Mittel gegen Hitze und Infektionen.
Andere Länder, andere Sitten
Die thailändische Küche kennt eine Hauptregel: „Mai päd, mai aroi“ (Was nicht scharf ist, ist auch nicht lecker). In der ursprünglichen Cajun-Küche im amerikanischen Louisiana hingegen war Schärfe geradezu ein Armutszeugnis: Da Fleisch und Gemüse teuer waren, bereitete man die kleinen Mengen karibisch-pikant zu – so konnte man sie aus Eintopf oder Reis herausschmecken. Ayurveda, die alte indische Heilkunst, kennt scharfe Rezepte zur Förderung der Gesundheit, aber auch zur Behandlung von Krankheiten. Und im texanischen Terlingua treffen sich seit 1967 bis zu 10000 Eintopfliebhaber zum alljährlichen „Chili Cook-off“, dem Wettstreit der Chiliköche um die Trophäe „Bowl of Fire“.
High-sein ganz legal!
Capsaicin heißt der Wirkstoff, der Schärfe hervorruft, Geist und Seele beflügelt. Und zwar nicht, weil er den Geschmackssinn stimuliert, er stimuliert die Nervenenden, die für Wärmeempfindungen zuständig sind — und die schlagen dann Alarm: Achtung, Verbrennungen im Mund! Daraufhin schüttet der Körper schmerzlindernde Endorphine aus. Man fühlt sich leicht und euphorisch, mit einem Wort: high! Echte Chilifans müssen ihre Dosis stetig steigern, um zu ihrem Kick zu kommen…
Alle mögen's scharf!
Ob nun Chili oder Pfeffer, Senfkörner, Zwiebeln oder Meerrettich, Ingwer oder Knoblauch – Schärfe wird ausschließlich von Pflanzen produziert: in ihren Wurzeln, Stengeln, Blättern, Samen oder Früchten. Das macht scharfe Gewürze auch für Vegetarier akzeptabel. In vielen Religionen sind bestimmte Speisen tabu – Muslime und Juden dürfen kein Schweinefleisch essen, Juden keinen Weinessig verwenden –, scharfe Gewürze freilich sind in allen Glaubensgemeinschaften erlaubt.
Tipp zum Brand löschen
Zum Schluss ein paar Tipps, falls Ihre Suppe einmal zu scharf geraten sein sollte: ein bis zwei klein geschnittene Kartoffeln mitkochen. Sie binden die Schärfe und können vor dem Servieren herausgenommen werden. Auch Joghurt, Sauerrahm und süße Sahne mildern das Aroma. Gegen akutes Brennen hilft nicht der Schluck Wasser, sondern etwas Joghurt oder Milch, ersatzweise der Biss in ein Stück trockenes Weißbrot oder in eine Banane. Guten Appetit!