
Foto: Dagmar Schwelle / laif
Luxemburg kulinarisch
Alte Festungsmauern neben moderner Architektur, französische Küche mit deutschen Portionen und mindestens drei Sprachen bunt durcheinander: Vielfalt erwartet die Besucher in der Hauptstadt des Großherzogtums.
Es gibt nicht viele Städte, in denen man tausend Jahre Geschichte auf einmal betrachten kann. In Luxemburg geht das. Man muss nur spazieren gehen auf der Corniche, dem ehemaligen Wehrgang entlang der Außenmauern der Festung, der Luxem-Burg. Heute sind die Kanonen und Schießscharten verschwunden, aber die massiven Festungsmauern und die beeindruckende Aussicht sind geblieben.
„Schönster Balkon Europas“ wird die Corniche deswegen auch genannt. Als Erstes fällt der Blick auf die Unterstadt, auf die beschaulichen dörflichen Häuschen und Gässchen der tief liegenden Stadtteile Grund und Clausen, auf die grünen Gärten am Flüsschen Alzette, an dem man spazieren geht, als wäre man nicht in einer europäischen Hauptstadt, sondern irgendwo auf dem Land.
Doch auf dem Land lägen nicht so viele hervorragende Restaurants nah beieinander: Am Ufer der Alzette kocht zum Beispiel Ilario Mosconi, der einzige mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Italiener außerhalb Italiens, ebenso wie der Südfranzose Christophe Petra (Restaurant „Le Sud“, ein Stern).
Insgesamt 13 Sterne-Restaurants hat das Großherzogtum zu bieten, bei 511 840 Einwohnern bedeutet das die weltweit höchste Pro-Kopf-Quote an diesen Auszeichnungen.
Wendet man auf der Corniche den Blick nach links, sieht man den Bockfelsen, vom Gänge- und Höhlensystem der Kasematten durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Auf diesem Felsen stand vor etwa 1000 Jahren die erste Lëtzebuerg – die Ur-Luxemburg. In das Gängelabyrinth kann man hinabsteigen.
Weiter hinten ragen die hochmodernen Glas-, Stahl- und Betonbauten des Kirchbergplateaus in den Himmel. Die europäischen Institutionen, die Banken, das Museum für moderne Kunst und die Philharmonie haben dort ihren Sitz. Und immer noch wird gebaut. Wer sich für spannende Gegenwartsarchitektur interessiert, ist hier richtig.
Das Neben- und Miteinander von Modern und Alt, von Provinz und Metropole und natürlich von Französisch, Luxemburgisch, Deutsch und vielen anderen Sprachen und ihren Sprechern machen den Charme der Stadt aus. Luxemburger stellen nur etwa ein Drittel der Einwohner der Hauptstadt.
Die bunte Mischung zeigt sich auch in den Kochtöpfen. Die luxemburgische Küche biete „französische Raffinesse mit deutschen Portionen“, heißt es. Dabei ist sie oft deftig und verlangt manchmal ungewohnte Essmanieren: Die Bouneschlupp, einen deftigen Eintopf mit grünen Bohnen, Kartoffeln und Speck, soll man schlürfen.
Das bekannteste Gericht Luxemburgs ist die Paté au Riesling, eine Pastete, für die das Fleisch in Moselwein mariniert wird. Allerdings in Elbling, anders als der Name vermuten ließe, da diese Weinsorte ihre Säure auch beim Kochen beibehält.
Mit Teig können die Luxemburger besonders gut umgehen, sei es in Form von deftigen Pasteten, hier auch Maufel genannt, sei es als süße, lockere Brioche zum Frühstück oder als hauchdünner Boden unter der Quetschentarte (Pflaumenkuchen).
Auf höchstem Niveau probieren kann man zum Beispiel bei Luxemburgs bekanntester Köchin Léa Linster. Sie hat neben ihrem Restaurant im nahen Frisange jüngst ein zweites eröffnet, im ebenfalls nur wenige Kilometer entfernten Kayl.
Ihr neuer „Pavillon Madeleine“ bietet tagsüber Bistroküche, man sieht den Köchen bei der Arbeit zu und sitzt in einem futuristischen Stahlkubus.
Traditioneller geht es in den Cafés der alteingesessenen Confiserien „Namur“ und „Oberweiß“ in der Fußgängerzone der Innenstadt zu. In ihren Vitrinen finden sich luxemburgische Riesling-Pastete, französische Aprikosentarte oder deutscher Apfelkuchen.
Alle köstlich und alle friedlich nebeneinander.
Text: Birte Petersen
Gute Adressen in Luxemburg
- Mosconi, 13, Rue Munster, L-2160 Luxembourg, Tel. 00352/54 69 94, www.mosconi.lu
- Le Sud, 5, Rives de Clausen, L-2165 Luxembourg, Tel. 00352/26 47 87 50, www.le-sud.lu
- Restaurant Léa Linster, 17, Route de Luxembourg, L-5752 Frisange, Tel. 00352/23 66 84 11, www.lealinster.lu
- Pavillon Madeleine, 30, Rue du Moulin, L-3660 Kayl, Tel. 00352/26 56 64, www.lealinster.lu
- Confiserie Namur, 27, Rue des Capucins, L-1313 Luxembourg
- Patisserie Oberweis, 19, Grand-Rue, L-1660 Luxembourg
- Fondation Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean
, 3, Park Dräi Eechelen,
L-1499 Luxembourg, Tel. 00352/45 37 85-1 www.mudam.lu
- Luxemburger Tourist Office, www.lcto.lu