Melbourne – kulinarische Stippvisite Down under
Seit den Olympischen Spielen 2000 schaut die Welt auf die australische Hauptstadt Sydney. Wir blicken lieber auf Melbourne, eine ebenso attraktive Metropole mit exzellenter Küche und beeindruckenden Restaurants.
Eine Siedlung namens Bearbrass
Für ein paar Glasperlen und Äxte kaufte der tasmanische Landspekulant John Batman im Jahr 1835 den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, rund 2500 Quadratkilometer Land im Norden der Port Phillip Bay ab. Dort, am Fluss Yarra, gründete er eine Siedlung namens Bearbrass. Heute, 165 Jahre später, ist daraus eine Drei-Millionen-Metropole mit intellektuellem Flair geworden, eine quicklebendige Mischung aus Bewohnern 140 verschiedener Nationalitäten, 2500 Restaurants, viktorianischen Backsteinbauten und schlanken, modernen Hochhäusern. In Sydney fanden die Olympischen Spiele statt, in Melbourne gaben die drei Tenöre ihr erstes Konzert auf australischem Boden. „Während Sydney feiert, denkt Melbourne nach“, sagen die Australier.
Sie verstehen es zu feiern!
Dass aber auch Melbourne zu feiern, zu essen und zu trinken versteht, zeigt sich jedes Jahr beim „Food & Wine Festival“: Es gibt Kochseminare, Verkostungen von Wein, einen großen Risotto-Wettbewerb, den längsten Lunch der Welt, Märkte und vieles mehr. Überall in der Stadt wird gebrutzelt und gekostet. Köche und Winzer aus der ganzen Welt präsentieren ihre regionalen und saisonalen Spezialitäten. Überhaupt ist die moderne australische Restaurantküche international – und sehr leicht. Deutlich spürbar sind die asiatischen Einflüsse bei Gewürzen und Zubereitungsarten, sehr viel Gemüse und Seafood, also fangfrische Meerestiere, dazu Lamm- und Rindfleisch. Die traditionelle Ernährung der Aborigines – „Bush-Food“ wie zum Beispiel Straußen-, Känguru- und Emu-Fleisch, Raupen, Wasserkresse, Buschzwiebeln und Yam-Wurzeln – hat sich bis auf wenige Ausnahmen in der gehobenen Küche nicht durchsetzen können. Essen gehen ist, verglichen mit Europa und Amerika, in Australien preiswert – zumal man in vielen Restaurants den eigenen Wein mitbringen darf. Allein in Melbourne gibt es rund 2000 Gaststätten ohne teure Lizenz zum Alkoholausschank. Daher sind sie in der Regel preiswerter als solche mit Lizenz und werben mit dem Slogan „Bring Your Own (BYO)“ – einer der Gründe, warum sich Australier lieber zum Auswärtsessen verabreden, als zu Hause zu kochen.
The "Old Lady"
Eines der neueren kulinarischen Zentren der „Old Lady“, wie Melbourner ihre Heimatstadt zärtlich nennen, ist die Southgate am linken Flussufer, ein lang gezogener Gebäudekomplex mit zahlreichen Cafés, Bistros, Restaurants und Kneipen, aber auch schicken Boutiquen und ungewöhnlichen Designerläden. Abgesehen von einigen traditionellen Restaurants wie „Flower Drum“ (Chinesisch), „La Madrague“ (Französisch) und „Toofey’s“ (Seafood) ist die Restaurantszene in Melbourne ständig in Bewegung. Einen halbwegs aktuellen Überblick verschafft der alljährliche „Good Food Guide“, herausgegeben von Claude Forell, mit Besprechungen von über 400 Restaurants, Cafés und Pubs in Melbourne und Victoria. Über deren Besuche sollte man jedoch keinesfalls die Royal Botanic Gardens vergessen. Auf rund 35 Hektar gibt es dort 60 000 verschiedene Pflanzen zu sehen – und jede Menge Fledermäuse, Theater- und Musikaufführungen, ein altes Observatorium und eine neue Caféteria. Außerdem kann man auf den Wiesen am See herrlich picknicken – völlig „legal“.