
Foto: Svenja98 - Fotolia.com
Verrückt nach Schokolade
Sie ist weiß, braun oder schwarz, schmilzt in der Hand wie auf der Zunge und ist bestimmt in jedem Haushalt vertreten. Doch Schokolade ist nicht nur eine süße Versuchung, sie macht auch in herzhaften Gerichten eine gute Figur.
Als Hernán Cortéz anno 1519 im Namen der spanischen Krone mit Hundertschaften Soldaten und Kanonen an der Küste von Veracruz landete, erwartete ihn in der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán, im heutigen Mexico City, eine sagenhaft reiche Kultur – und ein seltsames Gebräu mit Schaum, das die Bewohner „Xocolatl“ (herbes Wasser) nannten. Es enthielt getrocknete, geröstete und gemahlene Kakaobohnen, Chili, Nelken, Zimt sowie Maismehl als Bindemittel für die fettige Kakaobutter. Aufzeichnungen der Konquistadoren zeigen, dass Herrscher Montezuma – wie auch andere seiner männlichen Untertanen aus den höheren Kreisen –Xocolatl als Stärkungstrank und Aphrodisiakum verwendeten. Ja, Kakaobohnen galten in jener Zeit als so wertvoll, dass sie ein durchaus übliches Zahlungsmittel abgaben: So kostete ein Kaninchen vier, nächtlicher Damenbesuch zehn, ein Sklave hundert der edlen Bohnen …
Es dauerte mehr als ein Jahrhundert, bis das „flüssige Gold“ auch im feinen Porzellangeschirr der Adligen Europas serviert wurde. In Deutschland verkaufte erstmals im Jahr 1640 die Ratsapotheke zu Braunschweig Kakao, 1657 öffnete in London das erste „chocolate house“ seine Pforten. Als eine der ersten Schokoladenfabriken in Deutschland gilt die im Jahr 1756 von Wilhelm zu Schaumburg-Lippe errichtete Manufaktur in Steinhude. Der Prinz hatte hierfür ausgewiesene Schokoladenexperten aus Portugal abgeworben.
Die Schokolade, so wie wir sie heute kennen, wurde in England entwickelt. Francis Fry von Fry & Sons (heute Cadbury) stellte 1848 auf einer Handelsmesse in Birmingham eine wohlschmeckende Masse vor, die sich in beliebige Formen pressen ließ. Trotz der Anstrengungen zahlreicher Erfinder und Zuckerbäcker blieb die Essschokolade im 19. Jahrhundert ziemlich hart und grobkörnig, bis der Schweizer Rodolphe Lindt 1879 die Conche entwickelte – und mit Hilfe dieses speziellen Rührwerks sozusagen den Schmelz erfand.
In den letzten Jahren erlebt die Schokolade eine Renaissance: Grand-Cru-Tafeln, Plantagenschokoladen und die sonderbarsten Kombinationen u. a. mit Früchten, Gewürzen und Alkohol stellen Connaisseure wie Naschkatzen vor die Qual der Wahl. Sie erinnern aber auch ein wenig an das ursprüngliche, kostbare Xocolatl-Getränk der Azteken.
Schoko-Fans, die mehr über ihre Lieblingsspeise wissen wollen, finden hier interessante Adressen und Tipps: