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Rom – Ein kulinarisches Theaterstück
Rom gilt als Wiege der europäischen Kultur, doch die Römer sind alles andere als vergeistigt. Das zeigt sich am deutlichsten dort, wo es etwas zu essen gibt.
„So, die Steinpilze sind zu teuer? “, faucht eine Italienerin ihren Kunden an, „dann kauf doch die billigen von sonst woher. Aber beschwer dich nicht, wenn sie nicht schmecken.“ Betreten kauft der Mann die teuren Pilze, die ihm Stück für Stück vor die Nase gehalten werden, bevor sie in einer Tüte verschwinden. „Siehst du, wie schön sie sind?“, fragt die Verkäuferin. „Sie kommen von den Albaner Bergen, nur 20 Kilometer von hier.“
Mit „hier“ ist Roms Campo dei Fiori gemeint, ein zauberhafter Platz mit netten Cafés unweit der berühmten Piazza Navona. Zwar stehen dort keine imposanten Paläste und Brunnen, sondern nur eine Statue des Philosophen Giordano Bruno, der im Februar 1600 als Ketzer verbrannt wurde.
Um ihn herum bauen Obst- und Gemüsehändler ihre Stände auf, es gibt auch Blumen und Fisch, Käse und Küchengeräte. Hausfrauen kommen am frühen Morgen, damit ihnen ja kein Tourist in die Quere kommt, wenn sie Qualität und Preise von Bohnen, Auberginen und Tomaten vergleichen. Schließlich steht das Mittagsmenü auf dem Spiel, und immer dann, wenn es um Essen geht, hört bei Italienern der Spaß auf.
Nur ein paar Schritte vom Campo dei Fiori entfernt befi ndet sich der „Antico Forno Roscioli“, ein Delikatessenladen mit angeschlossenem Restaurant. Die Brüder Alessandro und Pierluigi führen die Geschäfte in dritter Generation, und sie haben mit Nabil Hadj Hassen einen Tunesier an den Herd gestellt, der von der Gastro-Bibel „Gambero Rosso“ einen Preis für die landesweit besten „Spaghetti Carbonara“ erhielt.
Mit Bedacht wählen Roscioli-Kunden aus den verschiedenen Schinkensorten oder einen 25-jährigen Balsamico-Essig. Mittags stehen Studenten für ein Stück Pizza an, Geschäftsleute sitzen an den wenigen Tischen bei Fisch-Carpaccio und frittiertem Kalbshirn und diskutieren über Politik, Fußball und Wetter.
Von hier aus ist es nicht weit bis zum wunderschönen Pantheon, und dort muss man sich entscheiden: Rechts liegt die Eisdiele „San Crispino“, wo es das beste Zabaione-Eis der Welt gibt. Links geht es über die Piazza Navona zum romantischen „Antico Caffè della Pace“, wo Julia Roberts im Film „Eat Pray Love“ ihren Rotwein getrunken hat
Nur Insider kennen dagegen die „Enoteca Palombi“ im angesagten Testaccio-Viertel, dabei ist dies ein idealer Treffpunkt für den „aperitivo“ am frühen Abend. Man bestellt einen eisgekühlten Fiano d’Avellino und eine Käseplatte, bei schönem Wetter sitzen alle auf dem Bürgersteig vor der Tür.
Wer Hunger hat, geht danach ins „Ristorante Augustarello“, einer römischen Trattoria wie aus dem Bilderbuch. Als Bestseller gelten die „Rigatoni con la pajata“ – Rohrnudeln mit einer dicken Tomatensauce, die stundenlang vor sich hin geköchelt hat, vermengt mit Darmstücken vom ganz jungen Kalb, die noch Milchreste enthalten und der Sauce ihre sämige Konsistenz verleihen.
Dieses Gericht gibt es nur in Rom und dort fast nur in Testaccio, denn hier stand bis 1975 das städtische Schlachthaus, und noch immer sind die besten Metzger mit ihren Läden in diesem Viertel vertreten.
Wer einen langen Abend mit zu viel Pasta und zu viel Wein überstanden hat und morgens noch leicht gerädert erwacht, darf sich auf einen cremigen Cappuccino und ein noch ofenwarmes Cornetto freuen. Am besten am Campo dei Fiori, wo Roms bestes Theaterstück spielt – das kulinarische, versteht sich.
Text: Patricia Engelhorn
Gute Adressen
RESTAURANTS:
Roscioli, Via dei Giubbonari 21, Tel. +39/06/687 52 87
Ristorante Augustarello, Via Giovanni Branca 98, Tel. +39/06/574 65 85
CAFE:
Antico Caffè della Pace, Via della Pace 3/7
EISDIELE:
San Crispino, Piazza della Maddalena 3
WEINHANDLUNG & BAR:
Enoteca Palombi, Piazza Testaccio 38/41