
Foto: Haydar Koyupinar / Museum Brandhorst München
München leuchtet – im Museum
Außen und innen ein delikates Feuerwerk der Farben: Mit dem Museum Brandhorst besitzt Bayerns Hauptstadt eine neue Pilgerstätte für Kunstliebhaber aus aller Welt.
Durch das Museum Brandhorst, das im Frühjahr 2009 eröffnet wurde, hat das Münchener Kunstareal einen markanten Eckpfeiler erhalten. Dem Berliner Architektenbüro Sauerbruch Hutton ist auf schwierigem Terrain ein meisterlicher Bau gelungen: modern – aber nicht modisch, selbstbewusst – aber nicht selbstverliebt.
Mit seinen 36 000 farbigen, raffiniert aufeinander abgestimmten Keramikstäben setzt das Museum nach außen einen kraftvollen Akzent gegen die dominierende gräuliche Pastell-Tristesse der bayerischen Metropole und verweist zugleich symbolisch auf die Farbwunder, mit denen die Sammlung aufwartet.
Im Inneren hingegen zeichnet sich das Haus durch zweckdienliche Zurückhaltung aus. Eine skulptural gestaltete Treppe erschließt rund 3200 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit einem überzeugenden Raumkonzept auf drei Ebenen. Weiße Wände und Decken und das warme Hellbraun des Dielenbodens aus dänischer Eiche bieten den Sammlungsobjekten einen perfekt angemessenen Rahmen. Und auch die Mahner zu ökologischer Umsicht können zufrieden sein: Das Museum Brandhorst kommt mit der Hälfte der Energie aus, die vergleichbare Gebäude benötigen.
Die Finanzierung des Baus und der laufenden Kosten obliegt dem Freistaat Bayern – eine relativ süße Pille, die der Stifter dem Land verabreichte, denn im Gegenzug überließ der Mäzen ihm nicht nur seine international renommierte Sammlung von über 700 Kunstwerken, sondern auch ein Stiftungsvermögen von 120 Millionen Euro.
Begonnen hat alles mit einer Collage Joan Mirós und einer Zeichnung Cy Twomblys, die Udo Brandhorst noch als Student kaufte. In den 1970er Jahren fingen er und seine 1999 verstorbene Frau Anette an, ihre Sammlung zielgerichtet auszubauen. Im Mittelpunkt standen dabei zunächst Buchkunstwerke der Meister der klassischen Moderne. Darunter – herausragend mit 112 Originalen nahezu vollständig repräsentiert – Pablo Picassos malerische Auseinandersetzung mit literarischen Texten.
In der Folgezeit weitete das Sammler-Ehepaar seine Perspektive auf die Gegenwartskunst aus und beschränkte sich dabei im Wesentlichen auf deren zentrale Vertreter in Europa und Amerika wie Mario Merz, Jannis Kounellis, Georg Baselitz, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Damien Hirst, Bruce Nauman, Alex Katz und Andy Warhol. Allein von Letzterem besitzt das Museum Brandhorst weit über 100 Arbeiten, die einen eindrucksvollen Querschnitt seines Schaffens darstellen.
Und vor allen anderen: Cy Twombly. Neben der Menil Collection in Houston/Texas vereinigt das neue Münchener Museum mit über 60 Bildern und Plastiken die umfangreichste Einzelsammlung des Malers. Als Antipode Warhols übersiedelte Twombly schon vor Jahrzehnten nach Italien und empfing wichtige Impulse für seinen musikalisch-lyrischen Stil von der mediterranen Welt. Der polygonale Saal, in dem sein zwölfteiliger Lepanto-Zyklus von 2001 hängt, wurde in Zusammenarbeit mit dem Künstler gestaltet und kann wohl als das Herzstück des gesamten Museums bezeichnet werden.
Während die Pinakothek der Moderne facettenreich die ganze Vielfalt der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ausbreitet, vertieft die Sammlung von Udo und Anette Brandhorst diesen Überblick durch ihre Konzentration auf die Meister, die die Kunst unserer Zeit geprägt haben, und auf diejenigen, die die zukünftige Entwicklung bestimmen werden.
Text: Thomas Held
Information:
Museum Brandhorst
Kunstareal München
Theresienstraße 35 a
80333 München
Tel. 089/238 05-22 86
www.museum-brandhorst.de