Blaudruck - Von Modeln, Küpen, Papp und Indigo
Echtfarbige exotische „Indiennes“, bunte Kattunstoffe aus Indien, machten in Europa erstmals im 17. Jahrhundert Furore. Heute wird die Tradition des daraus entstandenen Blaudrucks nur noch von wenigen Könnern gepflegt.
Generationsübergreifendes Handwerk
Eigentlich“, sagt Johannes Hugo Koch, „ist die Bezeichnung Blaudruck völlig missverständlich.“ Der 81-jährige Seniorchef der Färberei, Reinigung und Blaudruckerei J. H. Koch in Neustadt an der Ostsee muss es wissen, schließlich sind ihm Druckstöcke und Farbbottiche seit jeher vertraut. Heute arbeiten die Kochs bereits in vierter Generation: Johann Detlev widmet sich unter anderem dem Druck, Johann Hinrich ist in erster Linie für das Färben zuständig. Und ihr Vater, Johannes Hugo Koch, weiß einfach alles – und versteht es, charmant, ja meisterhaft zu erzählen, über Verfahren und Farben, über Moden und Muster und, und, und…
Küpe, Papp und Co.
Wie war das noch gleich, mit dem Blaudruck und dem Missverständnis? „Ganz einfach“, erklärt der Senior, „es wird im Grunde nicht blau gedruckt, sondern blau gefärbt.“ Denn blau gefärbt werden jene Stoffpartien, die am Ende keinerlei Muster aufweisen sollen. Das letztlich weiß erscheinende Muster selbst wird während des Färbens ausgespart – durch eine farbabweisende Reservage. Dieser so genannte Papp wird mithilfe der Druckstöcke, den Modeln, zuvor an den gewünschten Stellen aufgebracht, damit er das Muster reserviert. Fachleute sprechen deshalb lieber von „Reservedruck“. Im traditionellen Verfahren werden die Bahnen zunächst einmal an einem absenkbaren Reifen befestigt und in den Bottich, die Küpe, getaucht. Damit genügend Sauerstoff an die Farbpartikel kommt, wird der Stoff in bestimmten Abständen aus dem Bad gezogen und mit einem Stock kräftig „grün und blau geschlagen“. Zu guter Letzt wird der Papp entfernt und der Stoff sorgfältig ausgespült.
Das blaue Wunder
Dass nun gerade Blau beim Stoffdruck bevorzugt wurde, hat einen recht simplen, weil praktischen Grund: Der blaue Farbstoff war viel farbechter als andere Pflanzenfarben. Man gewann ihn über Jahrhunderte aus Färberwaid, auch Deutscher Indigo genannt. Als Seefahrer das aus der gleichnamigen Pflanze gewonnene Indigo aus Indien mitbrachten, war es aus mit dem Waid. Gegen die Färbekraft des tropischen Strauches war kein heimisches Kraut gewachsen. Synthetisches Brillantindigo gibt es seit 1897, es ist billiger, noch farbechter und leicht zu verarbeiten. Heute macht es Tischdecken und Servietten blau, Vorhangstoffe, Kissenhüllen und vieles mehr. Etwa vier Tage braucht Sohn Johann Detlev, um gut 50 Meter mit einem einfachen Druck zu versehen. Zu kaufen gibt es die Träume in Blau direkt vor Ort oder zuweilen auf Kunsthandwerk-Märkten. Man kann in Neustadt natürlich auch ganz Individuelles in Auftrag geben. (www.faerberei-jhkoch.de)