Glasdesign Borek Sípek – Poesie im Glas
Jenseits aller Trends und Moden bestehen die fantastischen, gefühlvollen Glasobjekte des Architekten und Designers Borek Sípek.
Ein bewegtes Leben
Mit Glas sollte seine Zukunft eigentlich wenig zu tun haben. Schon als 13-Jähriger wusste es der gebürtige Prager Borek Sípek genau: Architekt, Koch oder Chirurg wollte er werden, gleichwohl er nach dem frühen Tod seiner Eltern bei einem Glaskünstler aufgewachsen war. Architekt ist er geworden.
1969 floh er aus der Tschechoslowakei. Er studierte in Hamburg Architektur und in Stuttgart Philosophie, promovierte im Fach Architektur an der Universität Delft, wurde Dozent in Essen und eröffnete 1983 in Amsterdam sein eigenes Designbüro namens Alterego. Im selben Jahr fuhr er nach Böhmen, um den dortigen Glasbläsern beim Umsetzen eines eigenen Leuchten-Entwurfs über die Schulter zu schauen. Aus der Leuchte wurde nichts, dafür kehrte er mit den ersten seiner fantastischen Trinkgläser zurück.
Bizarr, farbenfroh und so zerbrechlich
1985 präsentierte sich Alterego erstmals auf den Messen in Mailand und Frankfurt dem Fachpublikum – mit überwältigendem Erfolg. Als magisch, poetisch, süchtig machend wurden Sípeks bizarre, farbenfrohe Schalen, Vasen und Gläser gelobt. Die zarten Gebilde mit den gedrehten Stacheln und filigranen Blütenblättern, die Doppelgläser – oben Sektschale, unten Champagnerflöte – und die Vasen mit den andersfarbigen Einsätzen fanden sofort eine treue Sammlergemeinde, und sie machten ihren Schöpfer bekannt. Auch seine Sektkelche ohne Fuß wurden begeistert aufgenommen: „Mich hat es geärgert, dass nach Empfängen immer so viele halbleere Gläser herumstehen. Diese kann man nicht achtlos wegstellen“, erläutert der Designer ganz ernsthaft.
Das Spiel mit dem Feuer
Seither hat Sípek Möbel für Wittmann und Vitra, Accessoires für Alessi und Swarovski und Glasobjekte für Driade, Alterego und Anthologie Quartett entworfen. Er hat Häuser in Holland und Deutschland gebaut, für Kyoto ein Opernhaus entworfen, Karl Lagerfelds Geschäfte eingerichtet – und im Auftrag des ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel das Prager Schloss umgebaut und restauriert. Immer wieder fuhr er auch nach Böhmen, in die kleine Stadt Novy Bor, um dem Glasbläsermeister Petr Novotny und seinen Kollegen bei der Arbeit an Sípek-Entwürfen zuzuschauen. Ihn fasziniere, sagt Sípek, das Feuer und das glühende Silizium und wie daraus die zarten, zerbrechlichen Gebilde entstünden. Mittlerweile ist Sípek selbst ein perfekter Glasbläser – und sogar ein ganz passabler Koch, wie die Männer in Novy Bor bestätigen können. Fast jedes Mal kocht er für sie, wenn ihn sein Weg nach Böhmen führt, und in letzter Zeit suchte man ihn in Amsterdam meist vergebens, denn gerade hat er zusammen mit der tschechischen Firma Ajeto in Novy Bor eine Glasfabrik gegründet, als deren kreativer Direktor natürlich nur einer in Frage kam: Borek Sípek.