Heißgetränk mit drei Buchstaben
Abwarten und Tee trinken – dieses geflügelte Wort deutet bereits an, welche Tugenden mit dem weltweit verbreiteten Genussmittel gemeinhin assoziiert werden: Geduld und Gelassenheit.
In vielen Ländern der Erde ist Tee wichtiger Bestandteil der alltäglichen Kultur, ja Ausdruck bestimmter Weltanschauungen.
Neben Indien beansprucht China für sich, den Tee erfunden zu haben. Vor rund 3000 Jahren als Arznei, später bei der Meditation verwendet, blieb er jahrhundertelang der Oberschicht vorbehalten und galt als das Lieblingsgetränk des Kaisers. Heute gehört grüner Tee zum chinesischen Alltag wie Reis und Sojasauce. Gäste werden zum Zeichen des Respekts mit einer Tasse davon begrüßt.
Obwohl erst im 8. Jahrhundert n.Chr. von China nach Japan gekommen, entwickelte sich dort die ausgeprägtere Zeremonie um den Teegenuss. Ursprünglich aus Südchina stammend (wo Gläubige eine Schale Tee herumgehen ließen), fügten Mönche, Samuraikrieger und Feldherren im Lauf der Zeit immer neue Bestandteile hinzu, die der Teemeister Sen Rikyu im 16. Jahrhundert ordnete. Der „Weg des Tees“, wie die Zubereitungs- und Trinkzeremonie genannt wird, vereint Harmonie mit der Natur, Respekt für andere, Reinheit des Geistes und Seelenruhe.
Holländer brachten den Tee nach Europa. In England wurde er im 17. Jahrhundert zum Nationalgetränk, zuerst in Kaffeehäusern, die noch ausschließlich Männern vorbehalten waren, dann auch, unter Federführung der Frauen, zu Hause. 1717 eröffnete Thomas Twining in London den ersten Tea Room, eine Teestube, zu der alle Zutritt hatten.
Mitte des 19. Jahrhunderts führte Anna, Herzogin von Bedford, den Nachmittagstee ein. Gegen ihren nachmittäglichen Hunger verlangte die Herzogin um fünf Uhr, wenn die Angestellten zurückkehrten, nach Tee und Kuchen. Seitdem ist der „Five o’clock tea“ eine feste Institution im britischen Königreich, in der schlichten Version begleitet von frischer Milch (nicht Sahne!), weißem Zucker, heißem Wasser und Biskuits. Dabei gilt das Prinzip: milk in first!