La Fenice – Phönix aus der Asche…
Es gibt Menschen und Tiere, die sind unsterblich. Dreimal ist das venezianische Theater namens Feuervogel abgebrannt – und immer wieder auferstanden.
Seelenverlust
Am Abend des 29. Januar 1996 verließen zwei gut gelaunte Elektriker ihren Arbeitsplatz. Sie hatten soeben ein kleines Feuerchen an den von ihnen selbst schludrig und verspätet verlegten Leitungen entzündet. Eine drohende Konventionalstrafe von 15 bis 25000 € sollte auf diese Weise abgewendet werden – und das wurde sie auch. Als die beiden zu Hause bei mamma, pasta e vino saßen, hörten sie schreckensbleich, wie erfolgreich sie gewesen waren: Venedigs Gran Teatro La Fenice (der Phönix) war bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Eines der schönsten und traditionsreichsten Opernhäuser der Welt lag in Schutt und stinkender Asche. „Venedig hat seine Seele verloren“, klagte Luciano Pavarotti mit Tränen erstickter Stimme im italienische Fernsehen RAI und versprach, für den Wiederaufbau ein Benefizkonzert auf dem Markusplatz zu geben – aus dem nie etwas wurde.
Tragisches Schicksal
Es war nicht der erste Schicksalsschlag, den das Fenice getroffen hatte. Seinen Namen hatte es nach dem Feuervogel „Phönix“ erhalten, denn wie dieser war es buchstäblich aus der Asche gestiegen. 1773 brannte das führende Opernhaus Venedigs nieder. Das San Benedetto, der Nachfolger, wurde in nur zwei Jahren wieder aufgebaut und erhielt in Anspielung des Feuers den Namen „La Fenice“. 44 Jahre ging alles gut, das La Fenice gab den Ton an im nach Opern verrückten Venedig und trotzte wohlgemut der Konkurrenz von sage und schreibe zeitweilig mehr als zwanzig (!) Opernbühnen. Weit über hundert Uraufführungen erlebte das Haus. Bellini, Donizetti und Vaccai feierten Triumphe, ganz oben war man als Sänger oder Primadonna erst dann, wenn man im Fenice umjubelt wurde... Am 13. Dezember 1836 – Ursache unbekannt – brannte das Theater dann wieder, nur ein Stückchen der Fassade blieb erhalten. Boote mit schwelender Asche auf den Kanälen von Venedig… Ein Feuervogel bleibt nicht ewig in der Asche, und dieses Mal hatte er es besonders eilig, wieder ans Licht zu kommen. Gerade einmal ein Jahr dauerte der komplette Wiederaufbau, und die alte Pracht war wieder hergestellt. Un miracolo, ermöglicht durch Geldspenden der Venezianer, freiwillige Hilfeleistungen, durch Lotterien und das vollständige Erbe eines reichen Kaufmanns – übrigens sehr zum Unmut seiner Familie.
Ein Wunder aus Gold
Zurück zum dritten Brand 1996. Diesmal dauerte es acht Jahre, bis der Feuervogel wieder goldene Schwingen hatte. Pannen, Pech und Pleiten, ein deutsch-italienisches Baukonsortium, eine wahre Flut von Prozessen, Missmanagement, Geldsorgen, Intrigen und Pfusch – alles, was das Herz nicht begehrte, passierte, und das meiste davon mehrmals. Und dann endlich, am 14. Dezember 2003 ein neues miracolo: die Neueröffnung des Gran Teatro La Fenice, im Beisein des Staatspräsidenten Carlo Ciampi, sechs Ministern, Bürgermeister Costa, der Patriarch von Venedig; und anderen Großen der Welt, die sich die Karten von 3000 € an aufwärts kosten ließen. Ricardo Muti dirigierte, und das Publikum bestaunte ein originalgetreu hergestelltes Opernhaus, das wieder ist, was es immer war, eines der schönsten Häuser der Welt. Ein Traum in Gold, Lagunenblau und Altrosa, magisch beleuchtet, intim und großartig zugleich.
Ausführliche Info über Spielplan etc. finden Sie unter www.teatrolafenice.it.