Louisiana lässt grüssen
Malerisch direkt am Meer gelegen und nur 35 Kilometer von Kopenhagen entfernt, zählt das Louisiana Museum of Modern Art nicht nur zu den am meisten besuchten Kunststätten Dänemarks, sondern auch zu den schönsten der Welt.
Atemberaubend schöner Blick über den Øresund
Wer mit der Fähre vom schwedischen Helsingborg kommend im dänischen Helsingør landet und nach Kopenhagen will, sollte nicht die Autobahn, sondern die bezaubernde Küstenstraße in Richtung Süden wählen. Zum einen führt die Fahrt an zahlreichen hübschen Strandvillen der dänischen Riviera vorbei, zum anderen gelangt man so nach Humlebæk und zum dort beheimateten Louisiana Museum of Modern Art. Auch für den, der sich nicht für moderne Kunst interessiert, lohnt sich ein Besuch dieses Museums. Vom Skulpturenpark und der Caféterrasse hat man einen atemberaubend schönen Blick über den Øresund zur schwedischen Küste hinüber. Kunst, Architektur und Landschaft verschmelzen zu einer eindrucksvollen Einheit: Henry Moores voluminöse „Reclining Figures“ zwischen alten Baumriesen und Trauerweiden, Joan Mirós freundliches Bronzemännchen, das zwischen riesigen Farnen und üppigen Rhododendren, schillernden Teichen und einsamen Wegen spielt – und dazwischen die lichtdurchfluteten Wintergärten der Kunstsammlung. Und stets ist das Meer zum Greifen nahe.
Zu Ehren von Lousien
Es war der Käsefabrikant, Kaufmann, Kunstmäzen und -sammler Knud Jensen (1916–2000), der 1956 bis 1958, nach anfänglichen Widerständen der Behörden und der Bevölkerung, aus einem ehemaligen Herrenhaus von 1856 eine der bemerkenswertesten Kunststiftungen machte. Die Villa am Eingang des Museums wurde vom ehemaligen Besitzer des Grundstücks, Alexander Brun, errichtet, einem Hofjägermeister, der nacheinander mit drei Frauen verheiratet war – alle mit Namen Louise. Ihnen zu Ehren heißt der Ort und damit auch das Museum „Louisiana“.
Manchmal tritt die Kunst in den Hintergrund
Seit der Eröffnung des von Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert geplanten Gebäudes wurde das Anwesen mehrmals um moderne Anbauten erweitert. Die Baumaterialien waren stets die gleichen: Ziegel, Holz und Glas. Der bislang letzte Bauabschnitt, eine eigene Abteilung für die grafische Sammlung, ist wie ein Tunnel in den Hügel gebaut. Dadurch wird jetzt tatsächlich ein Rundgang durch das ganze Museum möglich – sogar auf verschiedenen Ebenen. Es gibt nur wenige Museen, bei denen sich die Architektur auf so harmonische Weise mit der Umgebung verbindet, wie dies in Louisiana der Fall ist. Die Landschaft scheint an manchen Stellen als Hintergrund der Kunstwerke geradezu geplant zu sein. So etwa im Raum mit Giacomettis Skulpturen „Die Frauen von Venedig“ und der „Gehende Mann“, die vor den hängenden Zweigen der dunklen Weiden und dem Wasserspiegel des Sees noch verlorener wirken als anderswo: schmale Menschensäulen aus erstarrter Lava.
Zentrum für moderne internationale Kunst
Ursprünglich als Heimstatt für skandinavische Kunst vorgesehen, entwickelte sich das Museum zu einem Zentrum für moderne internationale Kunst, nicht zuletzt durch großzügige Schenkungen des Brauereikonzerns Carlsberg. Schwerpunkt der Sammlung bilden Werke der Konstruktivisten (beispielsweise Naum Gabo) und der Pop-Art (u. a. Warhol, Lichtenstein, Rauschenberg). Den Mitgliedern der „Cobra“-Gruppe, in der sich 1948 belgische, holländische und dänische Künstler zusammengeschlossen haben, ist ein eigener Raum gewidmet. Aber auch für neuere Entwicklungen der modernen Kunst ist in Louisiana ausreichend Platz, wie etwa für einen der Iglus von Mario Merz, für Joseph Beuys’ „Honigpumpe“ oder für die düsteren Tafeln „Ausgießung“ und „Inflamation“ von Anselm Kiefer. Der Bestandskatalog liest sich wie das „Who is Who“ der zeitgenössischen Kunst. Kein Wunder, dass jedes Jahr mehr als eine halbe Million Besucher anreisen, um die Werke von Max Ernst, Jean Arp, Max Bill, Henri Laurens, Richard Serra oder Alexander Calder – dessen Mobile „Little Janey-Waney“ fast zum Wahrzeichen geworden ist – zu sehen, die zum festen und berühmten Inventar des Museums zählen. Von Künstlern begehrt und bei den Besuchern beliebt sind auch die zahlreichen Sonderausstellungen, die international hohes Ansehen genießen.
Louisiana Museum of Modern Art, Gammel Strandvej 13, DK-3050 Humlebæk, Dänemark, Tel. 00 45/49/19 07 19, www.louisiana.dk
Öffnungszeiten: täglich 10–17 Uhr, Mi 10–22 Uhr, geschlossen am 24., 25. and 31. Dezember, am 1. Januar geöffnet von 12-17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 80 dkr, Studenten 70 dkr, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt