
Foto: Markus Kirchgessner
Messer vom Meister
Die moderne Küche ohne Messer aus Japan? Undenkbar. Aber handgemacht müssen sie sein. Zwei Perfektionisten gewähren Einblick in ihre jahrhundertealte Zunft.
Japan und seine Messermacher – eine der schönsten Erfolgsgeschichten der Welt. Auch Tokifusa Iizuka und Hisao Osaki haben daran mitgewirkt – und sie tun es bis heute. Der eine als Schmied, der andere als Verkäufer und Messerschärfer. Wann immer ein Sternekoch in der Welt einen Tunfisch oder Aal für seine Sushi-Kreationen tranchiert, es kann gut sein, dass er dabei ein „Yanagi“ in der Hand führt, das von diesen beiden Messer-Spezialisten stammt.
Sie leben in benachbarten Präfekturen, in Gunma und Nagiita. Sanjo City, in der Tokifusa Iizuka den Hammer schwingt, gilt als das Solingen Japans. Hier ist er der „Primus inter pares“, höchstens 30 Messermacher gibt es noch in dieser Gegend, die ihr Produkt von Hand fertigen. Iizuka lebt bescheiden auf einem schmucklosen Hof, seine Karriere begann er mit dem Schärfen von Rasierklingen. Die Söhne Masayuki und Yoshihide sind mit eingestiegen ins Handwerk, zu dritt fertigen die Männer rund 1000 Messer im Jahr. Das mag nach wenig klingen, aber im Vergleich zur industriellen Fertigung ist die handwerkliche zehnmal aufwändiger. Die Schneiden der Iizuka-Messer bestehen aus mehrmals gehärtetem Kohlenstoffstahl, an Wassersteinen werden sie geschärft.
Auf internationalen Messer- und Kochforen im Internet werden Iizukas Schneidwerkzeuge in höchsten Tönen gelobt, sogar als „Kunst“ tituliert. 2006 war der Meister zur Internationalen Handwerksmesse nach München geladen, um dort seine Kunst des Schärfens zu demonstrieren. Vor allem die langen Sashimimesser sind Iizukas Spezialität. Sie liegen gut in der Hand, verziehen sich nicht und sind von gnadenloser Schärfe. Der deutsche Vertrieb von Tokifusa Iizuka, die Firma Dick in Metten (
www.dick.biz), lobt an der Handwerkskunst des Schmiedes besonders, dass sie sich „am strengen Kodex der traditionellen japanischen Ästhetik orientiert“.
Bei Hisao Osaki und seiner Frau Keiko gelangen Iizukas Messer an exponierte Stelle im Sortiment. Das Ehepaar führt in Familientradition einen eigenen Laden in Maebashi, der eine wahre Fundgrube für Messerfans und dazu wunderbar gemütlich und verkramt ist. Alte Bildbände klären den Besucher über das japanische Messerhandwerk auf, in diversen Schachteln und Tüchern schlummern Klingen mit Geschichte, aus Vitrinen blitzen jene, die ihre Zukunft noch vor sich haben.
Im hinteren Trakt des Geschäfts gibt es eine Werkstatt, in der Hisao Osaki die Messer von Meisterköchen aus aller Welt schärft. Dann sitzt er im gelben Ölzeug an seinem Schleifstein, der so groß ist wie ein Wagenrad, und das Kühlwasser spritzt kreuz und quer durch den Raum. Das Geheimnis eines exzellenten Schliffs: der Winkel zwischen Schleifstein und Messer. „Dieser sollte“, verrät Hisao Osaki, „nicht größer sein als die seitliche Länge von zwei übereinanderliegenden 100-Yen-Münzen.“