Moderne Klassiker
Rund 40 Jahre sammelt Frieder Burda moderne Kunst. Seit Ende 2004 sind die Werke in Baden-Baden auch der Öffentlichkeit zugänglich.
Ein Lebenswerk
Queen Victoria führte hier ihren Dackel spazieren und Kaiserin Sissi erholte sich hoch zu Ross von den Zumutungen der Hofetikette; viele einflussreiche Persönlichkeiten aus aller Welt genossen den Prachtboulevard der Kurstadt Baden-Baden und verliehen der Lichtentaler Allee ihren Glanz. Doch nur einer hat das Privileg, unter Linden, Eichen, Kastanien und Platanen zum eigenen Museum zu flanieren und dort ein Lebenswerk mit dem Publikum zu teilen. Seit 2004 präsentiert der Baden-Badener Kunstsammler Frieder Burda seine Schätze in einem weiß schimmernden Neubau, den der New Yorker Stararchitekt Richard Meier zwischen die alten Parkbäume eingepasst hat. Zu bewundern sind in dem von der Frieder Burda Stiftung finanzierten Museum wechselnde Ausstellungen mit Werken der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst, die Burda in den letzten rund 40 Jahren zusammengetragen hat.
Größen der deutschen Nachkriegsmalerei
Aus der frühen Beziehung zu den Gemälden des Expressionismus, mit denen sich die Eltern, die Offenburger Verleger Aenne und Franz Burda, umgaben, ist dem kunstbegeisterten Sohn die Liebe zu Farbe und Ausdruck geblieben. Davon zeugen sieben Gemälde aus den letzten Schaffensjahren von Pablo Picasso ebenso wie die Bilder von Mark Rothko, Adolph Gottlieb, Willem de Kooning oder Jackson Pollock, den Helden des amerikanischen abstrakten Expressionismus. Private Kunstkäufer können es sich im Gegensatz zu öffentlichen Museen erlauben, ihrem eigenen Geschmack zu folgen. Die Bilderparade im Museum Frieder Burda ist ein Bekenntnis zur Subjektivität, und das belebt den Rundgang in den schönen, lichten Räumen, wo große Glasöffnungen den Blick hinaus in die Natur rahmen. Mit Georg Baselitz, Gerhard Richter und Sigmar Polke sind im Museum Frieder Burda die unangefochtenen Größen der deutschen Nachkriegsmalerei vertreten – Künstler, die heute so aktuell sind wie vor zwanzig, dreißig Jahren und prägend waren für viele Generationen von jüngeren Kollegen.
Erfolgreiche Ausstellungen
Lange bevor die amerikanischen Großsammler in deutsche Galerien und Ateliers einfielen, hatte Frieder Burda schon die figurativen Bilder der „Neuen Leipziger Schule“ im Blick. Der Faszination für die vielen unterschiedlichen Annäherungen an gelebte und medial vermittelte Wirklichkeit, die sich in der gegenständlichen Malerei ab 1990 spiegelt, ist es zu verdanken, dass die Burda-Sammlung auch nach der Museumseröffnung wächst und heute mehr als 600 Werke umfasst. Zur Attraktivität des Hauses tragen neben wechselnden Präsentationen aus der eigenen Kollektion und der anderer Privatsammler große Ausstellungen bei, die den Highlights der Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet sind. Einen für Baden-Baden unvergleichlichen Rekord erzielte 2006 die Marc-Chagall-Schau des Burda-Museums. Mit 190 000 Besuchern war sie erfolgreicher als einst die legendäre Dalí-Ausstellung der benachbarten Staatlichen Kunsthalle.
Geschenk an die Stadt
Für den Mäzen, der sein Museum als Geschenk an die Stadt versteht, in der er seit Jahrzehnten lebt, ist dies ebenso eine Bestätigung wie der begehrte Preis der Europäischen Kulturstiftung, den er als Vorbild für private Kunstförderung in Deutschland erhielt, oder die wichtigen internationalen Auszeichnungen, mit denen Richard Meiers Museumsbau geehrt wurde. Professionell, unabhängig und immer wieder aufs Neue sehenswert – mit diesem Rezept für sein Museum hat Frieder Burda Maßstäbe gesetzt, die weit über Baden-Baden hinaus wirken.
Information
Das Museum Frieder Burda in der Lichtentaler Allee 8 b von Baden-Baden ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: 9 Euro; Tel. 072 21/398 98-0.
Weitere Infos: www.museum-frieder-burda.de