Orrefors Glasdesign – eingefangenes Licht
Soda, Sand und Kalk – die Zutaten für Glas sind seit Tausenden von Jahren unverändert. Seit einem Jahrhundert steht die schwedische Glashütte Orrefors für die Verbindung von meisterhaftem altem Handwerk und innovativem Design.
Genau wie bei der Glas-Serie „Divine“, die Kronprinzessin Victoria und ihr Gatte zur Hochzeit im Mai 2010 geschenkt bekamen.
"Gutes Design für alle!"
Hätten Sie geglaubt, dass die weltberühmte schwedische Glashütte Orrefors in ihrer Anfangszeit ganz profane Flaschen und Einmachgläser herstellte? Für ihre ersten Besitzer war die Glasproduktion zweitrangig. Es ging ihnen vielmehr um die Nutzung der großen Waldbestände der Hütte in der Region Småland. Holz brachte die Energie, die man zum Schmelzen und Verarbeiten des Glases benötigte.
Auch Konsul Johan Ekmann interessierte sich zunächst nur für den Wald, als er die Hütte 1913 von seinem Vorgänger kaufte. Aber das Glas schlug ihn bald in den Bann. Seine Idee: In Orrefors sollte eine Allianz aus Kunst und Industrie fortan „gutes Design für alle schaffen“.
Indem Ekmann die Künstler Simon Gate und Edward Hald verpflichtete, handelte er ganz im Sinne des aufkommenden Modernismus. Diese Bewegung hatte ihre Wurzeln im Deutschen Werkbund, einem Zusammenschluss aus Architekten und Designern, Theoretikern und Unternehmern.
Ihr Ziel: Reformation des düsteren Stils auf dem Kunstgewerbemarkt der Jahrhundertwende, damit das Alltagsleben ästhetischer werde. Zu den Fürsprechern dieser neuen Kunstrichtung gehörten etwa der berühmte Maler Carl Larsson und seine Frau, die Textilkünstlerin Karin Larsson, und der schwedische Kunsthandwerksverband. Als Unternehmer versprach sich Ekmann von diesem neuen Denkansatz natürlich auch kommerziellen Erfolg.
Wendepunkt der schwedischen Glasherstellung
Gate und Hald schufen während ihrer Laufbahn einzigartige Glasarbeiten für Orrefors – Gate als figurativer Künstler, Hald als kraftvoller Modernist. Auf der „Heimausstellung“ 1917 in Stockholm wurden Orrefors-Objekte als perfektes Konglomerat von Kunst und Industrie über 40 000 Menschen gezeigt. Die Schau gilt als Wendepunkt der schwedischen Glasherstellung – die Glashütte Orrefors ging daraus als große Erneuerin hervor.
Seitdem erhält und fördert man dort die Verbindung von Kreativität und meisterhaftem Handwerk. Die raffiniertesten Techniken zur Herstellung und Gestaltung werden bewahrt, entwickelt, weiterentwickelt und perfektioniert; Schleifen, Bemalen, Gravieren und Sandstrahlen verlangen den Glasmachern nach wie vor Höchstleistungen ab.
Heiße Kunst!
Glasmachen ist eine heiße Kunst. Auf bis zu 1600° Celsius werden die mehlfein bis körnig gemahlenen Rohstoffe in eigens handgefertigten, sogenannten Häfen aus Ton erhitzt, bis sie schmelzen und formbar werden. Immerhin noch 900° bis 1200° Celsius hat die glühende Masse bei der Verarbeitung.
Der Anteil an Bleioxid entscheidet über die Beschaffenheit des Glases, macht es härter oder weicher, so dass man es besser schleifen und gravieren kann. Sieben Personen sind nötig, um aus einem zähflüssigen Klumpen ein einziges Weinglas zu erzeugen: Glasanfänger, Einbläser, Stielanfänger, Meister, Fußanfänger, Stielmacher und eine Hilfskraft. Jedes einzelne Mitglied des Teams, der sogenannten Werkstatt, ist dabei gleich wichtig.
Die Werkzeuge – Glasmacherpfeife, Heft-, Zwack- und Kaiereisen, Wulgerlöffel, Pitschen und wie sie alle heißen – muten teilweise recht angestaubt an. Ihre unveränderte Verwendung hat natürlich absolut nichts mit Nostalgie zu tun, sondern hat sich schlicht bis heute als praktisch und funktional erwiesen. Dennoch arbeitet Orrefors parallel dazu permanent an der Modernisierung der Glashütte – aus Gründen des Umweltschutzes und zugunsten einer fortschreitenden Entwicklung der Glasqualität.
Orrefors beschäftigt zurzeit sieben Designer. Jeder einzelne von ihnen beherrscht seine eigene, unverwechselbare Formensprache. Die Künstler von Orrefors verstehen ihre Arbeit als Brückenschlag in die Zukunft, ohne den Respekt vor der Tradition und der Komplexität des Handwerks auch nur im Geringsten in Frage zu stellen.
Botschafterin für ihr schwedisches Glas
Das macht die Glashütte Orrefors zur einzigartigen Botschafterin für ihr schwedisches Glas, dessen eingefangenes Licht seine Liebhaber in der ganzen Welt gefunden hat: überall dort, wo der Sinn für schöne Dinge lebt – wie bei Kronprinzessin Victoria und ihrem Gatten Prinz Daniel von Schweden, Herzog von Västergötland auf Schloss Haga nördlich von Stockholm.
Orrefors Glasbruk, S-380 40 Orrefors, Tel. 0046/478/345 39, www.orrefors.se