Teatru Manoel – Perle des Barocks
Malta ist filmreif! Aus gutem Grund sind auf den Inseln im Mittelmeer, zwischen Sizilien und der Küste Nordafrikas, Filme wie „Der Graf von Monte Christo“ und „Der Gladiator“ entstanden. Und dann gibt es da noch ein kleines, feines Theater – im reinsten Barock.
Lyrische Opern und französische Tragödien
„Zur ehrenvollen Erbauung des Volkes!“ lautet der Leitspruch des Teatro Manoel – heute Maltas Nationaltheater, das eines der ältesten, noch regelmäßig bespielten Theater Europas ist. Im Jahr 1731 vom Großmeister Antonio Manoel de Vilhena erbaut und dem maltesischen Volk gestiftet, blickt es auf eine wechselvolle Geschichte zurück…
Opern und Historienspiele waren zuvor ausschließlich dem Adel vorbehalten. In zunehmendem Maße begeisterten die Aufführungen von Laien und professionellen Schauspielern vor den Stadtmauern im Freien auch das gemeine Volk. Und so erwarb der Großmeister 1731 in Valletta ein Grundstück und ließ an der Kreuzung Old Bakery Street (hier befand sich die Bäckerei der Johanniter) ein Theater errichten – mit ovalem Grundriss, vier Rängen und gänzlich aus Holz. Zwei große, unterirdische Wasserreservoirs direkt unter dem Gebäude sorgen übrigens bis heute für die Sicherheit im Fall der (Brand-) Fälle…
Tumulte!!!
Nach nur zehn Monaten intensiver Bauzeit wurde das Theater dann am Abend des 9. Januar 1732 mit der klassischen Tragödie „Merope“ des Veroneser Gelehrten und Dramatikers Francesco Scipione Maffei eingeweiht. In den darauf folgenden 60 Jahren spezialisierte sich das Theater fast ausnahmslos auf lyrische Opern und französische Tragödien und wurde geleitet von einem „Senior“-Ritter, der zugleich Theatermanager und Zensor war. Man hielt engen Kontakt mit den italienischen Opernbühnen und vermietete das Theater zumeist an Impresarios, die dort Opernstagiones veranstalteten. Die Übergabe der maltesischen Inseln in französische Hände im Jahr 1798 hatte die Ernennung des ersten maltesischen Kommissionärs zur Folge – Nicolò Isoiar, einen Malteser Künstler, der zuvor als Komponist in Neapel ausgebildet worden war. Seine Amtszeit erwies sich für das Theater jedoch als im Grunde ereignislos, da die Inselbewohner in jener Zeit allein daran dachten, sich endlich vom napoleonischen Joch zu befreien. Die Tumulte gipfelten in der Besetzung Vallettas und der anschließenden Übernahme durch die Briten zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Royal Theatre - gar nicht königlich
Nunmehr bekannt als das „Royal Theatre“, wurden an dem Gebäude eine Reihe von Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen, was seine Rolle als „Kulturzentrum“ der Nation manifestierte. Mit überwältigendem Erfolg: Ganzjährige Produktionen begeisterten Malteser, Reisende und ausländische Würdenträger so sehr, dass 1859 die Theaterprogramme sogar auf Seide gedruckt wurden! Doch der Erfolg kam als Bumerang zurück: Das Theater war dem riesigen Ansturm nicht mehr gewachsen. Ein neues und viel größeres Opernhaus wurde 1861 erbaut, was zur Folge hatte, dass das einstige „Royal Theatre“ sich – gar nicht mehr königlich – in eine Schlafstätte für Bettler und Obdachlose verwandelte. Als 1873 ein Feuer das Opernhaus zerstörte, gewann das, nun im Gedenken an seinen Gründer in „Teatro Manoel“ umbenannte, einstige „Royal Theatre“ erneut an Bedeutung. Für kurze Zeit. Ein weiteres Mal bescherte das – inzwischen wieder aufgebaute – Opernhaus dem Manoel ein vorläufiges Ende: Zuerst wurde dieses in einen Tanzsaal umgewandelt, schließlich als Kino genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs diente es erneut als Unterkunft für Obdachlose, um dann, wie das Operhaus, im Bombenhagel unterzugehen.
Neur alter Glanz
Das Opernhaus wurde nie wieder aufgebaut – nicht so das Teatru Manoel. Jetzt im Besitz des maltesischen Staates, wurde es in zehnjähriger Arbeit nach allen Regeln der Kunst zum Leben erweckt: Die einst herrliche Dekoration des Atriums wurde von Schmutz und Farbanstrichen befreit, die so lange die Schönheit des Originals verborgen gehalten hatten. Zentimeter für Zentimeter wurde die prächtige güldene Decke von 22 Karat restauriert, Dutzende kleinster Facetten und Gemälde, die zuvor Ränge und Logen zierten, herausgearbeitet. Zur Gala anlässlich der Wiedereröffnung im Dezember 1960 erstrahlte das Teatru Manoel in neuem altem Glanz. Das Juwel des Barocks war – endlich – wieder geboren!
Informationen zum Teatru Manoel (Spielplan etc.) finden Sie unter www.teatrumanoel.com.mt
Touristische Informationen zu Malta: www.visitmalta.com sowie www.airmalta.com.