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Wilhelm Buschs Pfannekuchen
Er kam 1832 als siebtes Kind armer Leute in einem kleinen Ort bei Hannover zur Welt. Als er 1908 friedlich entschlief, kondolierten Kaiser und Fürsten an seinem Grab: Wilhelm Busch, ein Mensch, der uns noch heute beglückt und erheitert.
Wilhelm Busch hatte seit seiner Kindheit einen Traum. Er wollte Maler werden, damals wie heute für viele eine brotlose Kunst. 25 Jahre – von 1859 bis 1884 – zeichnete und schrieb er Gedichte und Bildgeschichten, bis er endlich genug Geld verdient hatte, dass er mit dieser „elendigen Plackerei“ aufhören und sich ganz seiner geliebten Kunst widmen konnte. Ironie des Schicksals: Als Maler war er ein Guter unter vielen Guten, als Humorist war und ist er bis heute unerreicht.
Auffällig oft begegnen uns in seinem Werk die Motive Essen und Trinken, meist mit katastrophischem Anklang: „Oh, wie wonnig schmiegt das Mus, sich um Kopf, Leib, Hand und Fuß“, „Begierig wird der Rest getrunken und froh auf einem Bein gewunken“, „So geht es mit Tabak und Rum, erst bist du froh, dann fällst du um“…
Ob bei Max und Moritz, der frommen Helene, Tobias Knopp, Fipps dem Affen oder Eugen dem Honigschlecker – stets spielen die leiblichen Genüsse eine zu große Rolle, um bloß Zufall zu sein. Vielleicht hat Wilhelm Busch so oft mit knurrendem Magen zeichnen müssen, dass er – wenn schon nicht in Wirklichkeit, dann doch wenigstens „auf dem Papier“ – versuchte, sich satt zu essen und einen kleinen Rausch zu gönnen. Denn, so seine Erkenntnis: „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“.
Von Fruchtomletts da mag berichten
Ein Dichter aus den höhern Schichten.
Wir aber, ohne Neid nach oben
Mit bürgerlicher Zunge loben
Uns Pfannekuchen und Salat.
Wie unsre Liese delikat
So etwas backt und zubereitet,
Sei hier in Worten angedeutet.
Drei Eier, frisch und ohne Fehl,
Und Milch und einen Löffel Mehl,
Die quirlt sie fleißig durcheinand
Zu einem innigen Verband.
Sodann, wenn Tränen auch ein Übel,
Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel
Mit Öl und Salz zu einer Brühe,
Daß der Salat sie an sich ziehe.
Um diesen ferner herzustellen,
Hat sie Kartoffeln abzupellen.
Da heißt es, fix die Finger brauchen,
Den Mund zu spitzen und zu hauchen,
Denn heiß geschnitten nur allein
Kann der Salat geschmeidig sein.
Hierauf so geht es wieder heiter
Mit unserm Pfannekuchen weiter.
Nachdem das Feuer leicht geschürt,
Die Pfanne sorgsam auspoliert,
Der Würfelspeck hineingeschüttelt,
So daß es lustig brät und brittelt,
Pisch, kommt darüber mit Gezisch
Das ersterwähnte Kunstgemisch.
Nun zeigt besonders und apart
Sich Lieschens Geistesgegenwart,
Denn nur zu bald, wie allbekannt,
Ist solch ein Kuchen angebrannt.
Sie prickelt ihn, sie stockert ihn,
Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn
Und lüftet ihn, bis augenscheinlich
Die Unterseite eben bräunlich,
Die umgekehrt geschickt und prompt
Jetzt ihrerseits nach oben kommt.
Geduld, es währt nur noch ein bissel,
Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel.
Doch späterhin die Einverleibung,
Wie die zu Mund und Herzen spricht,
Das spottet jeglicher Beschreibung,
Und darum endet das Gedicht.
Aus: „Zu guter Letzt“ (1904), zitiert nach Mit Wilhelm Busch in Küche und Keller, ausgewählt und zubereitet von Hans Stengel, Droste Verlag, Düsseldorf 1986.