Die zahlreichen Bogengänge fallen auf, fast 40 Kilometer der Innenstadt sind von Arkaden überdacht, so dass die Bologneser stets trocken und schattig ins Café oder zum Einkaufen gelangen.
Die zweite Besonderheit der Stadt kann man von oben nicht sehen: ihre Leidenschaft für gutes Essen. Tortelloni, Mortadella-Wurst und Bologneser Sauce, hier „ragú“ genannt und manchmal mit ausgedrückter grober Bratwurst statt mit Hackfleisch zubereitet, sind Spezialitäten der Stadt.
Der „Bauch Italiens“ heißt die Gegend auch, und wer durch die Delikatessen-Gassen neben der zentralen Piazza Maggiore streift, sieht, riecht und schmeckt, wieso.
Von den Hauswänden blättert hier und da der Putz. In den Gässchen Via Pescherie Vecchie, Via Draperie und Viccolo Ranocchi verkauft man bereits seit dem Mittelalter Lebensmittel.
Und was für welche: Am Gemüsestand locken grüner Spargel und Erdbeeren, in der Formaggeria La Baita verschiedene Ricotta-Sorten, riesige Parmesan-Räder und feinster Tomatensugo. Im Delikatessengeschäft-Tamburini baumeln Parmaschinken und Mortadella von der Decke, würzig duftende Würste liegen im Regal. So muss es im Schlaraffenland aussehen. Natürlich kann man überall etwas probieren, häufig gibt es einen Mittagstisch.
Wer selbst Hand anlegen möchte, sollte die „Cesarine“ kennenlernen. Das sind Bologneser Hausfrauen, die mit Interessierten die typischen Gerichte ihrer Stadt kochen. Luisa, ist eine von ihnen.
Die Zutaten für die vier Sorten Pasta und die mürbe Schokoladentorte für das heutige Menü erstehen wir gemeinsam in den Läden der Altstadt, dann geht es mit dem Bus in die Nähe der Margherita-Gärten, der grünen Lunge der Stadt.
Hier auf den Hügeln in einer feinen, großbürgerlichen Wohnung machen wir gelbe und grüne Tagliatelle, Tortelloni und Strichetti, kleine Schleifchennudeln.
Luisa zeigt mir, wie ich den Teig am besten ausrolle, Bandnudeln schneide, Tortelloni fülle, klappe und wickele, wie man die Strichetti zusammendrückt. Dazu reicht sie kulinarische Anekdoten.
Nach getaner Arbeit essen wir gemeinsam mit ihrer Mutter und der Schwester, die meine unregelmäßigen Kreationen wohlwollend beurteilen und gleichzeitig Tipps für Bolognas lebendige Kulturszene geben.
Selbst die hat hier einen kulinarischen Touch: Bolognas exzellentes Museum für moderne Kunst (MAMbo) zum Beispiel befindet sich im Gebäude der früheren Stadtbäckerei.
Text: Birte Petersen
Gute Adressen in Bologna