Artischocke
Seit langem gilt die delikate Distel als eines der edelsten Gemüse überhaupt, obwohl oder gerade weil sie ihr Bestes unter einer harten, stacheligen Außenhaut verbirgt. Doch im Herzen ist sie gar köstlich.
Lange unterwegs
Die Artischocke ist ein Triumph der arabischen Gartenkunst, denn dank der Pflege durch die Araber ist aus der dornigen, dürren Distel die „Königin der Gemüse“ geworden. Araber waren es auch, die die Artischocke im 13. Jahrhundert nach Spanien und Sizilien brachten. Von Neapel und Florenz aus gelangte sie dann zu Beginn des 16. Jahrhunderts über die Alpen nach Frankreich und England. In Deutschland ist der Anbau 1540 in Ulm nachgewiesen. Um 1560 brachte Antonio Ribera die Artischocke nach Mexiko, und im darauf folgenden Jahrhundert nahmen französische Mönche sie mit nach Persien. Nicht nur wegen ihres delikaten Geschmacks, sondern auch wegen ihrer schönen Form – kein anderes in Europa angebautes Gemüse ähnelt einer Blume so sehr wie die Artischocke –, wurde sie während der Renaissance in den kulinarischen Olymp gehoben. In England und Frankreich war sie deshalb vornehmlich für die Tafeln bei Hofe bestimmt. In Italien hingegen stand sie auch bei Bauern und Bürgern hoch im Kurs. Wohl deshalb findet sich dort noch heute die größte Vielfalt an Artischockengerichten.
Angebot und Qualität
Je nach Sorte sind Artischocken das ganze Jahr über erhältlich. Die runden kommen ganzjährig aus Frankreich und Italien; am preiswertesten und schmackhaftesten sind sie jedoch von April bis Juli. Kleine, spitze Artischocken werden im Winter bis ins späte Frühjahr aus Italien geliefert. Importware gelangt auch aus Spanien, Ägypten und Tunesien nach Deutschland. Je nach Sorte sind sie entweder grün oder violett. Frische Artischocken erkennt man an den geschlossenen Knospen, den eng anliegenden, straffen Blütenhüllenblättern und dem durchgehend grünen, nicht eingetrockneten Stiel. In ein feuchtes Tuch gewickelt, halten sie sich etwa drei Tage im Gemüsefach des Kühlschranks. Etwas Zitronensaft im Kochwasser mildert das Dunkelwerden, verhindert es jedoch nicht ganz. Man genießt die fleischigen unteren Teile der Blätter gekocht oder gedämpft mit Mayonnaise oder einem Dip – sowie den gekochten oder gebratenen Boden. Artischocken sind reich an Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Kupfer und Mangan. Der sekundäre Pflanzenstoff Cynarin gilt als appetit- und verdauungsanregend.
Ein Rezept für eine
finden Sie hier.