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Birne
Die Schwester des Apfels ist – ihrem Geschlecht entsprechend – zarter, wohlriechender, saftiger und schmelzender, aber auch etwas empfindlicher.
Der Apfel gilt als solide, widerstandsfähig, anspruchslos, ja sogar als bürgerlich. Die Birne hingegen ist empfindlich, anspruchsvoll, geradezu aristokratisch. Sowohl in der Form als auch im Geschmack zeigt sie eine größere Vielfalt als ihr robuster Bruder, dem auch ein bisschen Frost nichts ausmacht.
Die meisten Pomologen (Obstbaumkundler) halten Kleinasien, Eurasien, den Kaukasus, Anatolien und das ehemalige Gallien für den Geburtsort der Birne. Andere verweisen auf Grabbeigaben aus der Zeit um 2100 v. Chr. in China und Birnenkerne in prähistorischen Siedlungen in der Schweiz. Wie dem auch sei, im Laufe der Jahrhunderte entwickelten Pflanzenzüchter aus der zu den Rosengewächsen zählenden Kulturbirne (Pyrus communis) zwei Birnenarten, die heute noch existieren: die europäische und die asiatische Birne.
Die alten Griechen erwähnen nur drei Sorten, wobei Homer die Birne als „Geschenk Gottes“ bezeichnete. Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (circa 23–79 n. Chr.) nennt mindestens 38 Sorten. Und im Frankreich des 17. Jahrhunderts kannte man bereits 300 Sorten.
Heute schätzt man die Anzahl der Birnensorten weltweit auf etwa 2500, wobei jedoch nur etwa zwei Dutzend wirtschaftlich eine Rolle spielen. Hauptproduzenten sind Frankreich, Italien, Spanien, die Ukraine und die Türkei, Argentinien, Chile, Südafrika, die USA, Japan – und China mit einem Anteil von 40 Prozent an der Weltproduktion.
Birnen sind nicht nur äußerst wohlschmeckend, sondern auch ernährungsphysiologisch wertvoll, enthalten sie doch viel Eiweiß, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Kalium und Vitamin B2, aber wenig Fett und Fruchtsäuren, was sie im Gegensatz zum Apfel ausgesprochen süß macht.
Auch wenn die Birne überwiegend roh, in Form von Kompott, Kuchen oder Torten verzehrt wird, hat sie doch einen festen Platz in den Küchen der Welt: Ihre mineralische Süße harmoniert vortrefflich mit der Schärfe von Blauschimmelkäse wie Roquefort, Gorgonzola und altem Stilton, aber auch mit der Würze von luftgetrocknetem oder geräuchertem Schinken.In Rot- oder Portwein gekocht, ist sie der ideale Begleiter zu Wildgerichten.
1870 kreierte Auguste Escoffier als süße Reminiszens an die schöne Hélène in Offenbachs Oper „La belle Hélène“ das inzwischen klassische Dessert Poire belle Hélène (Birne Helene): geschälte Birnen werden in Läuterzucker pochiert, nach dem Auskühlen auf Vanilleeis angerichtet und mit kandierten Veilchen bestreut. Dazu wird heiße Schokoladensauce gereicht.
Während fast überall auf der Welt aus Williamsbirnen ein Obstbrand destilliert wird, macht man im Westen Frankreichs aus Birnensaft cidreähnlichen, moussierenden Poiré. Die Perry-Birnen aus dem britischen Somerset sind der Ausgangspunkt für „Baby-Cham“, eine Art Birnen-Champagner. In Norddeutschland serviert man im Herbst gern Birnen, Bohnen und Speck und in Bayern um die Weihnachtszeit Kletzenbrot, das Birnenstücke enthält.
Hier eine Auswahl an Rezepten mit Birnen aus unserer großen Rezeptdatenbank: