Zum Fressen gern
Bunte Bentheimer haben einiges auf den Rippen – und das wäre fast ihr Ende gewesen. Ein einzelner Züchter hat diese alte deutsche Schweinerasse vor dem Aussterben bewahrt. Zum Glück für sie – und uns!
Für seine Kollegen im niedersächsischen Bentheim war der heute 82-jährige Gerhard Schulte-Bernd ein Spinner, ein Verrückter, der fette bunte Schweine züchtete, die zur Massenhaltung im Stall nicht taugten, viel Auslauf brauchten und auch noch unheimlich langsam wuchsen.
Damals, in den 1960er Jahren, wusste doch jeder, dass sich nur mit fettarmen, schnell wachsenden „Wirtschaftsrassen“ Geld verdienen lässt. Die Schlachthöfe bezahlten nach einem „Magerfleischschlüssel“, und bei dem hatte das Bunte Bentheimer mit seiner dicken Rückenschwarte keine Chance.
Dass es eine alte regionale Schweinerasse war, interessierte niemanden. Auch nicht, dass ihr Fleisch eben aufgrund des dreimal höheren Fettanteils und des langsamen Wuchses wesentlich besser schmeckte als das der neumodischen Turboschweine.
Doch Gerhard Schulte-Bernd aus Isterberg-Wengsel blieb stur und schaffte es, dass seine 22 „Swadbunten“ 1987 als eigenständige Rasse vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium anerkannt und wieder ins offizielle Herdbuch aufgenommen wurden – Voraussetzung für eine kommerzielle Vermarktung der Tiere.
Dabei war das Bunte Bentheimer Landschwein seit seiner Züchtung Mitte des 19. Jahrhunderts bei den Bauern in den niedersächsischen Grafschaften Bentheim, Emsland und Cloppenburg sowie im westfälischen Wettringen äußerst beliebt. Es war langlebig, genügsam, stressresistent und äußerst robust.
Ein ausgewachsener Eber konnte stattliche 75 Zentimeter Schulterhöhe erreichen und 250 Kilogramm auf die Waage bringen. Außerdem waren die Tiere äußerst fruchtbar: Manche Sau brachte es in ihrem Leben auf bis zu 17 Geburten mit jeweils bis zu 24 Ferkeln.
Doch das alles zählte seit den 1960er Jahren nicht mehr, und das Bunte Bentheimer gelangte auf die Rote Liste der „extrem gefährdeten Rassen“ in Deutschland.
Seit der Gründung des „Vereins zur Erhaltung des Bentheimer Schweines e. V.“ am 1. März 2003 im Tierpark Nordhorn haben die Tiere eine Chance zu überleben. Unter dem zunächst recht paradox wirkenden Motto „Erhalten durch Aufessen“ kümmert sich der Verein um den Aufbau eines bundesweiten Herdbuchs, koordiniert die Züchtungen und berät seine Mitglieder bei der Vermarktung.
Mit Erfolg: Der Bestand stieg von 104 Tieren im Mai 2004 auf 362 Tiere (294 Sauen und 68 Eber) im Februar 2011.
Informationen
Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e. V.
Heseper Weg 140, 48531 Nordhorn
Tel. 04737/811 10 08 (Helge Thoelen) (Mo–Sa 9–11.30 Uhr)
E-Mail: info@thoelenhof.de
Homepage: www.bunte-bentheimer-schweine.de (mit regionalen Bezugsquellen)