
Foto: Miele / Haselhoff
Chili
Die länglichen, runden oder eiförmigen Beerenfrüchte sind das Schärfste, was die Natur zu bieten hat. Doch unter der grünen, gelben oder roten bis violetten Schale verbergen sich noch weitere Aromen.
Chilis (
Capsicum frutescens L. und
Capsicum annuum L.), also alle scharfen Varianten der Paprika, stammen ursprünglich aus Südamerika. 1493 brachte Christoph Kolumbus die ersten Chilis von der Karibikinsel San Salvador nach Europa mit.
Da sich die pikanten Schoten im Gegensatz zu vielen anderen tropischen Früchten und Gewürzen leicht züchten lassen, verbreiteten sie sich im 16. Jahrhundert schnell über die ganze Welt – in Regionen mit sehr warmem, tropischem oder subtropischem Klima.
Heute sind die Hauptlieferanten Länder wie Brasilien, Mexiko, Indien, Ungarn, Spanien, Bulgarien und Rumänien.
Über 200 Chilisorten werden im Handel frisch oder getrocknet angeboten. Je nach Art und Erntezeit sind sie nicht nur mild bis höllisch scharf, sondern schmecken auch fruchtig, erdig, rauchig, blumig, säuerlich oder süß.
Die größte geschmackliche Vielfalt bieten mexikanische Chilis. Hier verleihen die Früchte nicht nur Schmorgerichten und Saucen (Moles) ihre Schärfe, sondern aromatisieren auch Früchte und sogar Käse.
In Nordafrika und im Vorderen Orient werden Couscous, Tajines und Suppen mit Harissa gewürzt, einer Sauce aus roten Chilis, Knoblauch, Kreuzkümmel, Salz, Koriandersamen und Olivenöl. Frische oder getrocknete Schoten sind auch Bestandteil vieler indischer Currymischungen.
Aus zerstoßenen Vogelaugenchilis, Salz und Essig entsteht die rote US-amerikanische Tabasco-Sauce zum Würzen von rotem Fleisch, Marinaden, Tatars und einigen Cocktails.
In den angelsächsischen Ländern findet man Chilis eingelegt als Pickles oder Senfgemüse.
Chilipulver, Cayennepfeffer und das französische Piment d’Espelette sind nichts anderes als gemahlene Chilischoten.
Ihre Schärfe verdanken die Chilis dem Wirkstoff Capsaicin, der sich hauptsächlich in den Samen und den Scheidewänden befindet. Gemessen wird ihre Schärfe anhand der Scoville-Scala, die im Jahr 1912 von dem amerikanischen Pharmakologen Wilbur L. Scoville entwickelt wurde.
Paprika ohne feststellbare Schärfe hat demnach den Scoville-Grad 0, reines Capsaicin entspricht einem Wert zwischen 15 und 16 Millionen Scovilles.
Jalapeños, die üblichen Chilis in Mexiko und den USA, sowie italienische Peperoncini liegen unter 5000, extrem scharfe Thai-Chilis kommen auf 100 000, und die Sorten Habañero, Scotch Bonnet und Datil erreichen gar bis zu 300 000 Scoville-Einheiten.
Den Weltrekord in Sachen Schärfe hält seit Februar 2007 die indische Chili-Sorte Bhut Jolokia mit einem Wert von 1 001 304.