Der weite Weg der Gewürze
Der Triumph exotischer Gewürze in europäischen Küchen hat eine recht bewegte Geschichte – und dauert bis heute an. Nicht nur, aber besonders zur Weihnachtszeit finden Zimt und Nelke, Muskat und Pfeffer, Kardamom & Co. bei uns Verwendung.
Kostbare Körnchen
Die exotischen Kapseln, Körnchen und Samen aus Indien, Asien und Arabien waren lange Zeit etwas ganz Besonderes, vor allem aber ganz besonders Teures – und somit ein Privileg für die Küche des Adels und der Kirchenfürsten. Wenngleich nicht gerade preiswert, so doch erschwinglicher wurden Pfeffer, Kardamom & Co. erst, als der Seeweg von Europa rund um Afrika und Indien bis Fernost sicherer und geregelt verlief. Vermutlich nehmen die Gewürze deshalb bis heute ihre Sonderstellung bei der Königsdisziplin kreativer Küchenkünstler ein: der Weihnachtsbäckerei. Hand aufs Herz: Wen beschleicht nicht jenes heimelige Adventsgefühl, wenn ihm der Duft frisch gebackener Plätzchen, aromatisiert mit den Gewürzen aus dem Orient, in die Nase steigt?
Zimt und Kardomom ...
Zum Beispiel mit Zimt. Seine Stangen bestehen aus der Innenrinde eines tropischen Lorbeergewächses. In China seit 2500 v. Chr. und in Ägypten seit 1600 v. Chr. bekannt, war der Zimt wegen seiner appetitanregenden und krampflösenden Wirkung geschätzt. Dort wie auch etwa in Indien werden damit Fleischragouts – sparsam – gewürzt. Nach Europa kam er im Mittelalter über die Gewürzstraße – und landete prompt in der süßen Abteilung.
Ähnlich erging es Kardamom, einer hochinteressanten Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Die Samenkapseln wachsen – höchst ungewöhnlich – an flach über dem Boden kriechenden Stengeln, wo sich Schlangen im tropischen Klima besonders wohl fühlen... Dieses Gewürz kommt hier zu Lande fast nur im Lebkuchen zur Geltung. Die alten Griechen und Römer verwendeten die Samen wegen ihres süßlich-blumigen Aromas hauptsächlich als Parfüm; Orientalen und Asiaten würzen damit Lamm und Currys, Araber ihren Kaffee – auch wegen der antiseptischen, herzanregenden Eigenschaften. Kardamom sollte man immer in Kapseln kaufen, diese aufbrechen und die eigentlichen Samen im Mörser zerstoßen.
...Gewürznelken, Muskat und Pfeffer
Wie man Gewürznelken verwendet, die ebenfalls antiseptisch wirken, die Atmung erleichtern und das Wohlbefinden in der Balance halten, wissen Chinesen seit rund 2500 Jahren. Die besten Sorten stammen von den Molukken und Madagaskar. Auch die Römer kannten das stark duftende Gewürz, das nie bereits gemahlen gekauft werden sollte – das Aroma verfliegt zu schnell. Der eigentliche Geschmacksträger – das Kügelchen in der Mitte – lässt sich im Mörser leicht zerstoßen. Muskat war in Europa relativ früh bekannt. Die Nuss des immergrünen Baumes, umhüllt von einem roten Häutchen (Muskatblüte), wurde bereits in der mittelalterlichen Poesie als Aphrodisiakum gepriesen. Warum? Sie stimuliert niedrigen Blutdruck und hält den Kreislauf in Schwung. Und weil sie zu fast allem passt, trat sie ihren Siegeszug durch die Allerweltsküchen an. Im Lebkuchen darf sie natürlich auch nicht fehlen. Ähnlich erging es dem Pfeffer, dem ebenfalls wunderbarer Reiz zugesprochen wurde und der ursprünglich von den Gewürzinseln stammt. Der schwarze besteht aus unreifen getrockneten Beeren der Rispe, der weiße aus reifen, und der grüne ist eine Entdeckung aus den 70er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Pfeffer war es, der die Kaufleute reich machte – ja, im Mittelalter wurden sogar Steuern und Lösegelder damit bezahlt!