Die süßen Tränen Kanadas
Er ist hell- oder dunkelbraun, leicht flüssig bis cremig, besteht zu 65 Prozent aus Zucker und hat ein unverwechselbares Aroma: der Ahornsirup – die reine Natur.
Ende Februar, wenn die Temperaturen tagsüber auf fünf Grad Celsius steigen, nachts aber noch unter dem Gefrierpunkt liegen, sieht man überall in Kanadas Wäldern dick vermummte Menschen mit großen Kübeln und Bohrern herumlaufen. Sie machen das, was ihre Vorfahren im frühen 17. Jahrhundert von den Ureinwohnern, den Wawaniki-Indianern, gelernt haben: Sie bohren ein etwa acht Zentimeter tiefes Loch in die Rinde des Zuckerahornbaumes (Accer saccrum), schieben ein Röhrchen hinein und hängen einen Kübel darunter. Bis Ende April/Anfang Mai – so lange dauert die Erntesaison – tropfen zwischen 70 und 90 Liter Saft aus dem Baum, der mindestens 30 bis 40 Jahre alt sein muss. Bei modernen Verfahren werden Schläuche in die Bäume gesteckt und dann zu einem zentralen Sammelpunkt geführt. In speziellen Hütten mitten im Wald, den so genannten „Sugar Houses“ oder „Erablières“, entsteht in einem dreistufigen Verfahren der Sirup: Zuerst wird der Saft gekocht, dann eingedickt und am Schluss veredelt.
Fünf Qualitätsstufen
40 Liter Ahornsaft ergeben einen Liter Ahornsirup. Während der ganzen Erntezeit werden überall in Ontario und Quebec kleinere und größere Feste gefeiert, bei denen man stolz die ganze Vielfalt der Produkte zeigt: Ahornsirup, Ahornbutter und -zucker, Ahornschokolade, Ahorntee und -essig, Zuckerwatte, Bonbons und Popcorn.
Ahornsirup gibt es in fünf verschiedenen Qualitätsstufen. Je nachdem, wann er geerntet und wie lange er gekocht wurde, unterscheidet er sich in Farbe, Lichtdurchlässigkeit, Süße und Geschmack: Maple-Grad A (light) und AA (extra light) besitzen den größten Wasseranteil und sind am hellsten. Beide verwendet man überwiegend in der Küche zum Aromatisieren. Sie sind am teuersten. Maple-Grad B (medium) ist etwas dunkler, dickflüssiger und der am meisten verbreitete Sirup-Typ. Er wird als Brot- und Pfannkuchenaufstrich, Süßungsmittel und Marinade für Fleisch verwendet. Maple-Grad C (amber) ist dunkel, dickflüssig und herb. Man nutzt ihn überwiegend zum Backen. Maple-Grad D (dark) wird nur noch von ganz wenigen Bauern produziert. Er ist sehr dunkel, herb, fast bitter und wird hauptsächlich zum Backen von kräftigen Kuchen und Plätzchen verwendet.