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Ein ganz altes Gemüse
Einfach Majestätisch: Gäbe es einen Kaisertitel für Gemüse, dann stünde er dem Porree zu. Nicht dem Spargel, dem Kürbis oder der Artischocke, nein, dem gewöhnlichen Lauch – hat er doch Pyramidenbauer ernährt, Nero inspiriert und Schlachten entschieden
Man nennt ihn Porree oder Lauch, je nach romanischer oder germanischer Herleitung, und er gehört – wie Knoblauch, Spargel, Maiglöckchen und Hyazinthe – zur Familie der Lauchgewächse. Er ist das mildeste aller Zwiebelgemüse, sogar etwas süßlich. In jungem Zustand bilden die Scheinstengel ein delikates Gewürz, in ausgewachsenem Zustand ein vorzügliches Gemüse. Am feinsten schmeckt der von Erde bedeckte Teil der Stangen, der mangels Licht kein grünes Chlorophyll bilden kann und somit blass bleibt.
Historische Köstlichkeit
Porree (Allium porrum) gehört zu den ältesten bekannten Gemüsesorten. Bereits 2100 v. Chr. baute ihn der sumerische Herrscher Urnammu in seinen Gärten in der Stadt Ur an, 150 Kilometer westlich der heutigen Stadt Basra im Irak. Im Alten Ägypten diente Porree dem riesigen Sklavenheer der Pyramidenbauer als Nahrung. Der römische Kaiser Nero, nebenberuflich Sänger, Dichter und Schauspieler, nutzte die stimmbandschmeichelnde Wirkung des im Porree enthaltenen Senföls. Sein unbändiger Appetit auf Lauch in Öl brachte ihm den Beinamen Porrophagus ein – Porreefresser. Die Phönizier brachten den Porree auf die britischen Inseln, wo er sich großer Beliebtheit erfreute. Als nach dem Abzug der Römer die Sachsen über das Land herfielen, kam es im Jahr 640 zur entscheidenden Schlacht zwischen den Bewohnern und Besatzern der Insel. Der Britenkönig Cadwallader befahl seinen Soldaten, sich eine Lauchstange an den Helm zu binden, damit sie bei der Schlacht besser zu erkennen waren – Uniformen gab es damals noch nicht. Cadwalladers Truppen bezwangen die Besatzer, und der Lauch ist heute Teil des Wappens von Wales, in das sich die keltischen Briten nach und nach zurückzogen.
So gesund!
Lauch liefert viel Vitamin C, Vitamin K und Folsäure. Er ist reich an Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Mangan. Die Schwefelverbindung Allicin ist nicht nur für den lauchtypischen Geruch und Geschmack verantwortlich, sie wirkt auch antioxidativ und antibakteriell.