Erdbeeren – Die pure Wonne
Erdbeeren gelten als der Inbegriff des Sommers – auch wenn bereits im Frühjahr unreife Früchte aus Spanien importiert werden, die nicht schmecken. Erdbeeren müssen reif geerntet und sofort gegessen werden. Denn nur auf diese Weise sind sie ein unvergleichlich köstlicher Genuss.
Wäre ich eine Erdbeere, wäre ich eingeschnappt, beleidigt, stocksauer. Denn niemand nennt mich bei meinem richtigen Namen. Alle sagen nur Erdbeere zu mir, dabei bin ich eine Elsanta (große feste, saftige Frucht, süß und mit feiner Säure). Bei den Äpfeln kennt man die Namen wenigstens noch – Cox Orange, Elstar oder Finkenwerder Herbstprinz. Mich und meine vielen Brüder und Schwestern dagegen nennt man nur Erdbeere. Dabei haben wir auch einen Namen, eine Persönlichkeit. Da ist zum Beispiel die mittelgroße, kugelig runde Karina mit ihrem kräftigen Aroma. Oder die Senga Sengana, eine ganz alte, süßsäuerliche Sorte mit mittelgroßen Früchten. Wer kennt schon die kleine Favette oder die längliche Gariguet? Niemand! Aber Erdbeeren, ja Erdbeeren, die begehrt und genießt ein jeder.
Lange ignorierte Frucht
Schon die Römer kannten die wild wachsende „Bodenerdbeere“, schenkten ihr aber wenig Aufmerksamkeit. In Apicius’ Kochbuch ist sie noch nicht einmal erwähnt. Und Vergil spricht von ihr lediglich, um junge Leute davor zu warnen, sich beim Erdbeerpflücken nicht von giftigen Schlangen beißen zu lassen. Erdbeeren gehören auch nicht zu den Pflanzen, die Karl der Große auf seinen Domänen anbauen ließ. Erst im 15. Jahrhundert fanden sie beim gemeinen Volk Anklang, jedoch hauptsächlich als Volksmedizin, nicht als Genussmittel. Dies änderte sich schnell, denn schon 1560 waren sie, mit Sahne genossen, ein beliebtes Dessert. Erwerbsmäßig angebaut werden sie seit dem 17. Jahrhundert. Die rund 1000 Erdbeersorten, die wir heute kennen, stammen jedoch fast alle von der weiblichen südamerikanischen Chile-Erdbeere ab, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Frankreich mit der männlichen nordamerikanischen Scharlach-Erdbeere gekreuzt wurde.
Die Königin der Beeren
Die „Königin der Beeren“ ist nicht nur geschmacklich ein Hochgenuss, sondern auch symbolisch hoch bewertet. Die dreiteiligen Blätter galten lange Zeit als Inbegriff der Dreifaltigkeit und versinnbildlichten edle Demut und Bescheidenheit. So sollte man die roten Früchte auch genießen: pur, mit etwas Zucker, Sahne, Crème fraîche oder ein paar Tropfen Aceto balsamico tradizionale. Denn schon der englische Schriftsteller Izaak Walton (1593–1683) erkannte: „Gewiss hätte der Schöpfer eine köstlichere Beere ersinnen können, aber ebenso gewiss hat er es nie getan.“ Von Madame Tallien (1773–1835) wird berichtet, dass sie in Erdbeersaft badete, um ihre Haut weich und geschmeidig zu erhalten. Botanisch gesehen handelt es sich bei der Erdbeere (Fragaria) um eine Scheinfrucht, die sich aus dem Blütenboden entwickelt. Die eigentlichen Früchte sind die kleinen, hartschaligen Nüsschen, die man außen sehen kann. Die mit der Rose verwandte Frucht ist nur rund acht Tage lang wirklich reif. Dann sollte sie geerntet, nur kurz gewaschen und sofort verzehrt werden. Erdbeeren reifen, einmal gepflückt, nicht mehr nach und verlieren im Kühlschrank schnell an Aroma.
Walderdbeere
Walderdbeeren gedeihen an lichten Stellen in Wäldern. Ihre Blüten sind weiß und haben fünf Blätter. Blütezeit ist Mai bis Juni. Die rote Frucht bildet sich im Spätsommer. Walderdbeeren bevorzugen Lehmböden und zeichnen sich durch einen hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt aus (Vitamin C bis 50 mg/100g). Die Walderdbeere ist überdies eine sehr alte Heilpflanze, die schon in den Schriften der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) erwähnt wurde. Geschmacklich können die uns bekannteren Zuchterdbeeren den Walderdbeeren nicht das Wasser reichen.
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Folgende Erdbeer-Rezepte finden Sie hier: