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Jakobsmuscheln
Sie gehören zu den feinsten Früchten des Meeres und lassen – vom Gratin bis zum Sushi – fast alles mit sich machen.
Ein Zuviel an Schönheit kann auch lästig sein. Davon könnte, wenn sie denn könnte, die Jakobsmuschel ein Lied singen: Ungeachtet ihres herrlichen Geschmacks haben die Menschen ihr schon seit altersher wegen des Aussehens ihrer Schalen nachgestellt. Sie dienten den frühen Pilgern auf dem Jakobsweg als Erkennungszeichen und Trinkgefäß, in neuzeitlichen Küchen werden die bis zu 15 Zentimeter großen Schalen zum Überbacken (nicht nur von Jakobsmuscheln) oder auch als dekorative Salatteller verwendet. Der Papst führt sie in seinem Wappen, und man muss nicht zweimal hinsehen, um eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Logo der Mineralölfirma Shell zu entdecken.
Das auch unter den Namen Pilgermuschel oder Coquille Saint-Jacques bekannte Schalentier liebt das raue Klima des nördlichen Atlantiks, siedelt gerne vor den Küsten Chiles (in der Bucht von Tongoy) und Kanadas, Irlands und Schottlands oder der bretonischen Küste, kommt aber auch – in einer etwas kleineren Version – im Mittelmeer und in Ostasien vor.
Frisch schmecken Jakobsmuscheln natürlich am besten, in Europa zwischen Ende Oktober und März – der offiziellen Fangzeit – und den Rest des Jahres aus Fang oder Zucht von den Küsten des amerikanischen Kontinents.
Die Schalen werden – ähnlich wie bei Austern – aufgebrochen und das weißliche Muskelfleisch (auch Nuss genannt) sowie der leuchtend orangefarbene Rogen (Corail) ausgelöst. Das feste Fleisch hat ein leicht süßliches Nussaroma, kundige Feinschmecker schwören mit Nachdruck auf den weichen Rogenstrang, der besonders in den Wintermonaten eine Delikatesse für sich ist.
Man kann die Muscheln schlicht in einer Schalenhälfte oder am Spießchen auf den Grill legen, ebenso mit einer Sauce aus Weißwein, Fischfond und Safran ganz edel auftischen. Kalt und in feine Scheiben geschnitten zieren sie jeden Rucolasalat. In der Provence werden sie bevorzugt goldgelb angebraten und mit einer Sauce aus Knoblauch, Tomaten, Weißwein und Kräutern in der eigenen Schale serviert. Das feste, weiße Fleisch lässt sich schadlos gratinieren und erfreut auch als Einlage in einer klaren Fischsuppe. In einer Tasche aus pochierten Lauchblättern zusammen mit Basilikum geschmort, ist die Jakobsmuschel eine beliebte thailändische Vorspeise, und wenn sie absolut frisch ist, kann sie – wie in Japan – auch roh als Sushi gegessen werden. Wichtig beim Braten der ausgelösten Muschel: Je nach Größe genügen zwei bis drei Minuten, danach kann das Fleisch unangenehm zäh werden.
Das ansehnliche Meerestier, das neben allen erwähnten Vorzügen auch noch ein wichtiger Lieferant von Eisen und hochwertigem Zink ist, wird frisch oder tiefgekühlt angeboten. Wer zur gefrorenen Ware greift, sollte die (dann meist bereits ausgelösten) Muschelmedaillons in einem Sieb auftauen lassen, damit das Schmelzwasser abtropfen kann.