Kräuter für die feine Küche
Vorbei die Zeiten, da das frische Würzangebot vor allem aus Schnittlauch und Petersilie bestand. Heute ist eine geradezu exotische Vielfalt möglich – und dank einer Reihe von Kräutergärtnern auch im eigenen Garten…
Ein sinnliches Erlebnis
Kunden, die ganz tief in seine Kräuterwälder eintauchen und sich auch noch gern etwas dazu erzählen lassen, sind Burghart Koch von der Otzberg-Kräutergärtnerei am liebsten. Denn offenkundig teilen sie seine Passion: „Kräuter sind ein sinnliches Erlebnis. Sie duften, haben schöne Farben und ausgefallene Formen – und sie schmecken.“ Die meisten Hobbyköche werden kaum auf klassische Küchenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Kresse oder Borretsch verzichten. Gleich danach aber kommen die Freunde der italienischen Küche. Sie brauchen Rosmarin und Lorbeer, Lavendel und Majoran, Salbei und Thymian. Auch asiatisch wird häufig gekocht – das merkt Sabine Friesch von der Schongauer Blumenschule an den zahlreichen Zitronengras-Bestellungen. Ebenso gut in den Wok passen vietnamesischer Koriander, chinesischer Gewürzstrauch und japanische Minze.
Grundsätzlich, stellt Dieter Gaissmayer aus Illertissen fest, ist Vielfalt gefragt. „Deshalb hat sich die Kräuterpalette in den letzten Jahren auch sehr verbreitert. Früher gab es normalen und Zitronen-Thymian und vier bis fünf Minzen. Heute haben wir unter anderem 45 Thymiane im Sortiment und geben einen eigenen Minze-Katalog heraus, gleich mit Rezepten.“
Exoten in den eigenen Garten holen!
Im Trend liegen Kräuter für Süßspeisen: Lakritz-Tagetes, Zimt-Basilikum, Ananas-Salbei und Anis-Agastache passen nicht nur zu Obstsalat, Pudding und Pfannkuchen, sondern auch in den Eisbecher. Der Hit des neuen Jahrzehnts aber soll das Süßkraut werden, die Stevia. Dieses Kraut aus Paraguay ist viel süßer als Zucker, aber für Diabetiker geeignet. Und es verursacht keine Karies! Ob Klassiker, Newcomer oder Exoten – Sie können alle problemlos in den eigenen Garten holen. Bei den Kräuterspezialisten gibt es die meisten Arten und Sorten schon vorgezogen, sogar im Versand. Wem es Spaß macht, der kann Kräuter selbst aus Samen anziehen. Die Saattermine sind je nach Art unterschiedlich – robustere werden früh aufs Beet gesät, kälteempfindliche drinnen vorgezogen. Dies steht aber auf jeder Samentüte. Ob Sie einen Extragarten anlegen oder die Kräuter mit Blumen mischen, ist Geschmackssache. Beachten Sie nur, dass die meisten einen sonnigen Gartenplatz brauchen – vor allem die Südländer wie Majoran und Salbei. Einheimischen wie Schnittlauch und Petersilie reicht auch weniger Sonne. Eine erstaunliche Entdeckung hat Burghart Koch gemacht: Rosmarin verträgt keine Morgensonne im Frühling. Sein Tipp: bis zu den Eisheiligen Pappe als Sonnenschutz aufstellen!
Pflegeleichte Gesellen
Gut vorbereitet ist halb geerntet: Graben Sie zwei Wochen vorm Pflanzen das zukünftige Kräuterbeet um, sammeln dabei alle Unkräuter und Steine heraus und verbessern den Boden mit Kompost. Berücksichtigen Sie beim Pflanzen die Endgröße der Kräuter (wird in den Katalogen angegeben): Kleine dürfen eng zusammenstehen, große benötigen Abstand. Einige Minze-Arten und auch Estragon neigen zum Wuchern. Sie breiten sich so kräftig aus, dass sie anderen den Platz wegnehmen. Wer sie in Schach halten will, setzt sie am besten in Eimer ohne Boden. Sind die Kräuter erst einmal angewachsen, ist Pflege kaum mehr notwendig. Ab und zu ein wenig die Erde lockern und Unkraut zupfen – das genügt schon. Schädlinge sind auf dem Kräuterbeet selten. Anscheinend mögen sie den Duft nicht. Stellen sich aber doch einmal Läuse und ähnliches Getier ein, bitte keinerlei chemische Pflanzenschutzmittel verwenden.
Tipps:
Die meisten Kräuter wachsen im Topf so gut wie auf dem Beet. Für die beste Erde hat jeder Kräutergärtner sein Geheimrezept. Dieter Gaissmayer hat uns seines verraten: 1/3 Kompost, 1/3 Lehmerde und 1/3 feiner Kies. Fürs Gießen gilt: mäßig, aber regelmäßig. Sorgen Sie für guten Wasserabzug, sodass keine Staunässe entsteht. Düngen Sie nur schwach, am besten ist organischer Volldünger mit geringem Stickstoffanteil. Auch die meisten Kräutergärtner arbeiten heute umweltbewusst. Sie gießen die Kräuter vorbeugend mit selbst gemachten stärkenden Jauchen aus Beinwell oder Brennnesseln. Dann werden die Kräuter meist gar nicht erst krank. Sollten doch einmal Schädlinge auftauchen, können Sie diese absammeln, mit einem scharfen Wasserstrahl abspülen oder stark befallene Triebe einfach abschneiden. Den Rest besorgen natürliche Insektenkiller wie Vögel oder Marienkäfer.