Petersilie
Jeder kennt und isst sie: Petersilie ist das wohl vertrauteste Kraut unserer Küche – und das seit Jahrtausenden. Dabei hat mal die glatte, mal die krause Variante die Nase vorn.
Petersilie gilt als Allerweltskraut. Zumindest in europäischen Küchen ist sie allgegenwärtig und quasi ebenso unentbehrlich wie Salz und Pfeffer. Mit dem frischen Blattgrün würzt man Deftiges aus Kartoffeln, Gemüse und Pilzen, Fisch und Fleisch, dazu Salate, Suppen und Saucen. Als Garnitur wird gern die glatte Variante verwendet, die krausen Blätter sind etwas aus der Mode gekommen – so wie die Dauerwelle bei den Frisuren.
Petersilienblätter sollte man weder kochen noch trocknen, denn dabei gehen Aroma und auch Nährstoffe verloren: Neben dem Vitamin-Dreiklang A, C und E enthalten sie reichlich Kalzium, Kalium und Eisen. Der Legende nach soll der griechische Kraftprotz Herkules sein Haupt bei festlichen Anlässen mit einem Petersilienkranz geschmückt haben. Und auch die Sieger antiker Olympischer Spiele wurden mit Petersilie gekrönt – bevor man den Lorbeer zum Symbol der Ehre erklärte.
Wegen ihres Gehalts an dem harntreibenden ätherischen Öl Apiol waren Petersilienwurzeln, -blätter und -blüten im Mittelalter ein beliebtes Mittel gegen Blasenleiden. Heute weiß man, dass ein Zuviel des Öls durchaus schädlich sein kann ...
Petersilie stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und wird heute europaweit unter freiem Himmel wie auch unter Glas angebaut. Wer sich selbst als Petersiliengärtner betätigen möchte, sollte die zweijährige Pflanze nach der ersten Saison umsetzen, da das Grün sonst nicht mehr schmeckt. Außerdem darf Petersilie auf keinen Fall neben Schnittlauch wachsen, denn die beiden Kräuter vertragen sich nicht. Konkurrenz belebt zwar das Geschäft – aber verdirbt das Beet, vermutlich.
Petersilie ist nicht nur ein guter Speisebegleiter, sondern hat auch das Zeug zur Hauptrolle – wie in dem libanesischen Salat Tabouleh: Für vier Portionen je ein Bund glatte Petersilie und Minze, eine halbe Salatgurke, eine halbe grüne Paprikaschote, eine rote Zwiebel und ein paar Cocktailtomaten klein schneiden und mit 100 Gramm Bulgurweizen mischen. Achtung: Dieser muss gut 20 Minuten in heißem Wasser quellen, bevor er servierbereit ist. Für die Vinaigrette Zitronensaft, Olivenöl, Salz, Pfeffer sowie Kreuzkümmel miteinander vermischen. Dazu passt Fladenbrot.
Aus den Wurzeln der Petersilie lässt sich übrigens eine wohlschmeckende, süß-säuerliche Suppe zubereiten: Für vier Portionen werden vier Petersilienwurzeln, zwei Kartoffeln und drei bis vier Schalotten geschält, klein gewürfelt, in einem Topf in Butter angeschwitzt und mit 400 Milliliter Gemüsefond abgelöscht. Nach einer Viertelstunde Köcheln ist das Gemüse reif für den Pürierstab. Dann wird ein Becher Crème fraîche untergerührt und die Suppe mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und gehackten Petersilienblättern abgeschmeckt.
Text: Nicoline Haas