Schollen
Sie ist nicht gerade eine Schönheit, die Scholle. Auf dem Teller aber – vor allem ganz jung, im Mai oder Juni – wird sie zur wahren Delikatesse.
Familie der Plattfische
Neben Flunder, Butt und Seezunge ist die Scholle, auch Goldbutt oder Platteise genannt, wohl das bekannteste und wichtigste Mitglied der Familie der Plattfische. Sie lebt im Nordostatlantik von Gibraltar bis zum Weißmeer, aber auch im Mittel- sowie im Schwarzen Meer. Hauptverbreitungsgebiet ist jedoch die Nordsee, der Skagerrak, das Kattegat, der Belt und die westliche Ostsee bis hinauf nach Gotland. Schollen bevorzugen kühles, salzreiches Wasser und Tiefen von 10 bis 100 Meter, im Mittel- und im Schwarzen Meer sogar bis zu 400 Meter.
Meisterin der Tarnung
Pleuronectes platessa ist eine Meisterin der Tarnung. Sie nimmt die Färbung des Meeresbodens an, auf dem sie ruht, und gräbt sich bei Gefahr zusätzlich in den Sand ein, so dass nur noch die Augen herausschauen. Dabei kann sie mit dem einen nach vorne und mit dem anderen nach hinten spähen. Das Weibchen legt bis zu 500 000 Eier. Innerhalb eines Monats schlüpfen daraus ca. sechs Millimeter lange Larven, die zunächst wie ganz normale Fische aufrecht schwimmen. Etwa nach sechs Wochen, bei einer Länge von zehn Millimetern, beginnt die Umwandlung zum Plattfisch: Das linke Auge wandert über die obere Körperhälfte nach rechts, und die jungen Fische beginnen, mit der linken Körperseite flach über den Meeresgrund zu schwimmen. Weil sich die Augen während der Metamorphose nach rechts verschieben, werden Schollen als rechtsseitige Plattfische bezeichnet.
Von ihren ursprünglichen Laichgebieten wandern Schollen täglich bis zu 30 Kilometer in Richtung der Gezeitenzonen zum Strand. Erst wenn sie älter werden, zieht es sie wieder in tiefere Gewässer. Hauptnahrung der Jungtiere sind kleine Würmer und Krebse. Ausgewachsene Schollen leben von Garnelen, Krabben und kleinen Muscheln, Kleinstdorschen und Spierlingen.
Zarte Maischollen...
Schollen können bis zu 95 Zentimeter lang werden und ein Gewicht von bis zu sieben Kilogramm erreichen. Die älteste jemals gefangene Scholle war 50 (!) Jahre alt. Im Durchschnitt erreichen Schollen jedoch eine Größe zwischen 25 und 40 Zentimetern, bevor sie ins Netz gehen. Von den über eine Million Tonnen Fisch, die jährlich in Deutschland verarbeitet und verspeist werden, sind nur rund 1,5 Prozent Schollen. Nichtsdestotrotz handelt es sich um den meistgefangenen Plattfisch – und eine wichtige Einkommensquelle für die küstennahe Fischerei in Europa. Im Mai beginnen die Tiere ihre Frühjahrswanderung. Dann laufen auch die ersten Fangflotten aus und bringen die besonders zarten Maischollen in die Häfen. Später im Jahr müssen die Fischer den Schollen in immer tiefere Gewässer folgen. Gefangen werden sie mit dem Schleppnetz. Moderne Rollengeschirre schonen den Untergrund und lassen Jungfischen genügend Platz zum Flüchten. Eine Mindestgröße von 25 Zentimetern ist vorgeschrieben, und das Netz muss eine Maschenweite von mindestens 100 Millimetern haben.
... schmecken am besten!
Auf den Markt kommen Schollen frisch, aber auch tiefgefroren, als ganze Fische oder Filets. Am besten schmecken frische junge Maischollen. Wenn die Seezunge als Königin der Meere gilt, kann die Maischolle durchaus als Prinzessin der Meere bezeichnet werden. Ihre Zubereitung ist einfach: den Fisch entschuppen, ausnehmen, die Flossen abschneiden. Auf beiden Seiten in Milch baden, abtropfen lassen, kurz in Mehl wenden und in Öl mit einem Stück Butter bei mittlerer Hitze, je nach Größe vier bis sechs Minuten, braten. Mit Zitronensaft beträufeln und servieren. Als Beilage eignen sich helle Bandnudeln, in Butter mit Tomatenwürfeln und gezupften Basilikumblättern geschwenkt. Dazu passt ein kräftiger, trockener Weißwein, etwa ein Grauburgunder aus Baden, ein Silvaner aus Franken, ein Riesling aus dem Rheingau oder ein Grüner Veltliner aus der österreichischen Wachau. Wer gedünsteten Fisch vorzieht, bereitet die Scholle im Dampfgarer zu.