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Sesam
Sie ist eine der ältesten Ölpflanzen der Welt. Die winzigen Körnchen verblüffen durch ihr herrlich nussiges Aroma und eine enorme Vielseitigkeit.
Die Götter würzen mit Sesam, behaupteten bereits die Babylonier. Für Marco Polo war das Öl aus den winzigen Samen das köstlichste der Welt. Die krautartige Pflanze stammt ursprünglich aus Afrika. Von dort aus gelangte sie nach Indien, China, Mittel- und Südamerika – Hauptsache, schön warm.
Sesam liebt es tropisch, mit viel Feuchtigkeit. Aus den weißen, rosafarbenen oder violetten Blüten entwickeln sich Kapselfrüchte. Je nach Sorte springen nach dem Reifeprozess daraus hellbeige, braune, rote oder schwarze Samen.
„Sesam, öffne dich!“, hat Ali Baba im Märchen, aber auch schon manch verzweifelter Bauer gerufen. Denn die Sesamkapseln reifen ungleichmäßig und geben ihren wertvollen Inhalt recht unvermutet frei. Ständige Überwachung und Beschwörungsformeln sind die Tricks, um keinen der Winzlinge zu verlieren.
Ohne Sesam geht gar nichts – jedenfalls im Orient. Zu einer Paste gemahlen, würzen die Samen als Tahini Suppen, Salate und vor allem Hummus. Dieses Mus aus Kichererbsen, Knoblauch und frischer Minze ist unverzichtbarer Bestandteil des Mezze, der umfangreichen arabischen Vorspeisentafel. Mit Halva, der süßen Variante, versüßen sich Orientalen den Tag.
Schwarze und helle Sesamkörner veredeln sowohl pikante Gerichte mit Fisch, Fleisch und Gemüse als auch Süßspeisen oder Gebäck. In einer Pfanne ohne Fett vorsichtig geröstet, bringt Sesam sein unwiderstehlich nussiges Aroma erst so richtig zur Geltung.
Japaner mischen den auf diese Weise verfeinerten Sesam mit Meersalz, nennen ihn Gomasio und streuen das Gewürzsalz über Reisspeisen, kurzgebratenes Rindfleisch oder Fischgerichte.
Auch Sesamöl verführt mit seinem intensiven Geschmack. Allerdings nur die dunkelbraune Variante aus gerösteten Samen.
Wenige Tropfen dieser Spezialität genügen, um aus gewöhnlichem Hühnchen-Curry oder Linsensuppe eine kleine kulinarische Offenbarung zu machen.
Darüber hinaus stecken in dem Öl alle hochwertigen Inhaltstoffe aus den Körnchen. Linolsäure, eine ungesättigte Fettsäure, die der Körper nicht selbst produzieren kann, fördert das Zellwachstum. Folsäure hebt die Stimmung. Kalzium und Eisen sorgen für starke Knochen und die Blutbildung.
Indische Frauen schwören ebenso auf die kosmetische Wirkung von Sesamöl – für samtweiche Haut und glänzendes Haar.
Text: Christina Niemann
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