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Spinat
Ein arabischer Dichter besang ihn einst als den „Prinzen aller Gemüse“. Aber auch in seiner neuen Heimat Europa mangelt es Hoheit Spinacia oleracea keineswegs an begeisterten Untertanen.
Lange Reise bis nach EuropaTausend und eine schöne Geschichten fangen im Orient an. So auch die des Spinats: In Persien geboren, nahm er im Mittelalter im Gepäck arabischer Reisender seinen Weg nach Spanien und eroberte von dort aus den Rest Europas. Heute wird er hauptsächlich in Italien (
spinaci), Frankreich (
épinard) und in Deutschland angebaut.
Wir können das Blattgemüse ganzjährig frisch kaufen. In unserer Küche angekommen, ist es mit der Frische allerdings innerhalb von 24 Stunden vorbei. Was ihm im Kühlschrank an Ausdauer fehlt, macht der Spinat mit Geduld wieder wett: Er lässt sich ohne merklichen Qualitätsverlust mehrere Monate in der Tiefkühltruhe aufbewahren. Diesen kalten Umweg in den Kochtopf nehmen im Übrigen 85 Prozent der gesamten Spinaternte.
Buntes TreibenDer frisch gepflückte Sommerspinat mit seinem feinherben, süßsäuerlichen Geschmack eignet sich prächtig für Salate. Diese erfreuen raffiniert, zum Beispiel mit Pancetta und Orange oder einfach mit Ingwersauce übergossen als chinesischer Spinatsalat. Bei dieser Zubereitungsart bleibt sein hoher Gehalt an Eisen, Kalium, Vitamin C und Provitamin A nahezu vollständig erhalten. Der später im Jahr geerntete, robuste Winterspinat – leicht an seinen kräftigen, gewellten Blättern zu erkennen – macht in der Küche alles mit: Er ist nicht nur ein Traumpartner für Kurzgebratenes und Fisch, er gibt auch einer Quiche das gewisse grüne Etwas, lässt sich festlich in einer Ricotta-Spinat-Torte verbacken, als Blätterteigtasche mit Spinatfüllung locker aus der Hand essen, lässt sich in wenigen Minuten mit Sojasauce im Wok braten und macht überdies eine prima Figur im Spinatstrudel. Sein Saft färbt den Teig der grünen Pasta, entfaltet sein buntes Treiben auch mal in Aspik und in Süßigkeiten und verleiht Suppen ganzjährig die appetitanregende Farbe des Sommers.
Comic-Held PopeyeDie grüne Geheimwaffe des weltbekannten Comic-Helden Popeye sollte sehr sorgfältig gewaschen werden, um alle Sandreste zu entfernen. Zu grobe Stiele und fleckige oder gar gelbe Pflanzenteile gehören aussortiert. Die Grundzubereitung ist dann denkbar einfach: Im Miele Dampfgarer sind die Blätter – schonend und punktgenau – nach wenigen Minuten gar. Sie verlieren dabei den Großteil ihres Volumens, das sollte man schon beim Einkauf bedenken. Steht Spinat lediglich als Beilage auf dem Speisezettel, verlangt er kaum mehr als eine Prise Salz und Pfeffer. Gerne wird er auch mit Muskatnuss, Sahne oder gehacktem Knoblauch verfeinert. Sucht man den Spinat in der Haute Cuisine, findet man ihn zumeist im Geleit von Gerichten, die die Bezeichnung „à la florentine“ tragen.
Und was hat nun die sprichwörtliche Spinatwachtel in unserem Gemüse verloren? Rein gar nichts! Der Begriff stammt aus dem Süddeutschen und geht auf die Redewendung „spinnete Wachtel“ zurück. „Spinnet“ kann sowohl „spindeldürr“ als auch „verrückt“ bedeuten. Die Wachtel spinnt also nur, sie frisst uns nichts weg.