Vergessene Gemüse
Immer neue, zumeist exotische Gemüse kommen auf den Markt. Doch seit einiger Zeit haben sie Konkurrenz bekommen – durch alte einheimische Sorten, die, jahrelang vergessen, nun verstärkt wieder angebaut werden.
Nach dem Krieg hatten die meisten Deutschen genug von Steckrüben und Stielmus, von Pastinaken und Teltower Rübchen, Schwarzwurzeln und Melde. Im Zuge eines ökologischen Umdenkens, das regionale und saisonale Produkte verstärkt in den Vordergrund rückt, werden nun auch die alten Gemüsesorten wieder angeboten. Und so kommen immer mehr Profi- und Hobbyköche auf den Geschmack. Zu Recht!
Rübstiel, auch Stiel- oder Stengelmus genannt, ist vor allem im Rheinland und in Westfalen ein beliebtes Eintopfgemüse. Um Rübstiel zu erhalten, werden meist Mai- und Herbstrüben so dicht ausgesät, dass die Pflanzen nicht genügend Platz zur Knollenbildung haben und sich stattdessen zarte lange hell- bis dunkelgrüne Blattstiele bilden. In der lichtarmen Jahreszeit geernteter Rübstiel ist mild-würzig, nach längerer Sonneneinstrahlung schmeckt er dann kräftig-pikant.
Topinambur oder Erdbirne, Rosskartoffel, Jerusalemartischocke gilt als „Schwester der Sonnenblume“. Sie wurde schon von den Indianern Nordamerikas angebaut. Die winterharten Knollen schmecken intensiver, je länger sie im Boden verbleiben, und haben einen süßlich-nussigen Geschmack. Die weißen Knollen mit der gelben, braunen oder roten Schale lassen sich backen, dünsten, kochen, pürieren und roh essen.
Steck- oder Krautrüben – eine Kreuzung aus Herbstrübe und Kohlrabi – sind genauso delikat wie andere Rübensorten. Ihr Geschmack erinnert an den herbstsüßer Möhren. Sie lassen sich braten, backen, kochen, dünsten und pürieren und sind eine rustikale Beilage zu Aufläufen, Eintöpfen und Braten.
Bamberger Hörnla heißt eine vorwiegend fest kochende Frühkartoffel in Hörnchenform aus Franken. Mit ihrem intensiven Kartoffelaroma eignet sie sich besonders gut für Salate und Pellkartoffeln.
Pastinaken sind so süß wie Möhren und so würzig wie Petersilienwurzeln. Haben sie eine Länge von etwa 12 cm erreicht, schmecken sie am besten. Sie lassen sich wie Kartoffeln braten oder kochen.
Ob Rübstiel aus Westfalen oder Bamberger Hörnla aus Franken, ob Steckrüben, Pastinaken oder Topinambur – all diese Gemüse gehörten lange Zeit zum Speiseplan unserer Vorfahren. Sie zeichnen sich durch einen eigenständigen Geschmack aus, sind gesund und preiswert. Was will man mehr?
Rezept
Steckrübeneintopf mit Entenbrustfilet
Zutaten für 4 Personen:
600 g geschälte Kartoffeln
250 ml Rindfleischbrühe (Instant)
1000 g geschälte Steckrüben
2 Entenbrustfilets
Salz, Pfeffer
Zubereitung:
1. Kartoffeln in kleine Würfel schneiden und mit Rindfleischbrühe in einen Garbehälter geben. Im Dampfgarer bei „Garen Gemüse 100° C“ etwa 15 Min. garen.
2. Steckrüben in Scheiben, dann in Stifte schneiden und zu den Kartoffeln geben. Weitere 12 Min. mit unveränderter Einstellung garen.
3. Entenbrustfilets in schmale Streifen schneiden und in einer Pfanne kräftig braun braten. Anschließend mit Salz und Pfeffer würzen und auf den Steckrübeneintopf geben.