Wildreis
Er ist kein Reis und schon lange nicht mehr wild, seit er in Nordamerika auf großen Plantagen kultiviert und im großen Stil geerntet wird. Nur wo „Kanadischer Wildreis“ draufsteht, sollten auch tatsächlich wild wachsende und von Hand geerntete Körner drin sein.
Mühsame und aufwändige Erntearbeit
Wildreis (auch kanadischer oder nordamerikanischer Wasserreis, Indianerreis oder schwarzer Reis genannt) ist das Korn einer einjährigen, etwa 1,80 Meter hohen Sumpfpflanze (Zizania aquatica) aus der Familie der Süßgräser (Poáceae). Sie wächst an Seeufern in relativ kalten Gebieten von Kanada (Sasketchewan) und den nördlichen USA (Minnesota, Wisconsin, Michigan), aber auch im Mississippi-Delta. Der ursprüngliche kanadische Wildreis, von den indianischen Ureinwohnern „Manomin“ genannt, wird im September von Hand geerntet. Dabei werden die wild wachsenden Rispen mithilfe langer Stangen ins Boot geholt und aus den Schalen geschlagen. Da immer einige Körner ins Wasser fallen, wird so auch für Nachwuchs gesorgt. Es ist eine mühsame und aufwändige Erntearbeit, die ihren Preis hat: Echter kanadischer Wildreis kostet in Deutschland zwischen 17 und 20 Euro pro Kilogramm.
Gezüchtete Hybridsorten
Bei dem heutzutage meistens angebotenen und mit „Paddy Grown“ gekennzeichneten „Wildreis“ handelt es sich um ganz speziell gezüchtete Hybridsorten, die beispielsweise in Kalifornien konventionell angebaut und geerntet werden und demzufolge natürlich entsprechend preiswert sind. Geschmacklich bieten sie nur einen faden Ersatz für echten Wildreis. Diese Hybridsorten sind besonders häufig in Reismischungen zu finden.
Geringer Fettgehalt
Frisch geernteter Wildreis ist grünbraun und nicht lange haltbar. Die typische schwarzbraune Farbe und den nussigen Geschmack erhält er durch Trocknung und Röstung. Dabei verliert er drei Viertel seines Wassergehalts. Die gerösteten Körner werden von den äußeren Schalen befreit (entspelzt) und sind dann wegen ihres geringen Fett- (1 Prozent) und Wassergehalts (7–10 Prozent) fast unbegrenzt haltbar. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist Wildreis seinen weißen Kollegen deutlich überlegen, denn er enthält bis zu 14 Prozent Eiweiß, viele essenzielle Aminosäuren, Mineralstoffe (besonders Magnesium, Kalium und Phosphor) und doppelt so viel Vitamin B2 und B3 wie die bekannten Reissorten – bei gleicher Anzahl von Kalorien.
Rauchig nussiges Aroma
Wildreis wird, nachdem er gut mit kaltem Wasser abgespült wurde, 45 bis 50 Minuten simmernd gekocht. Dabei quillt er auf das Drei- bis Vierfache seines Volumens auf. 50 Gramm roher Wildreis ergeben etwa 200 Gramm gekochten Reis. Bei Wildreis, der mit Infrarotlicht behandelt wurde, verkürzt sich die Kochzeit auf 25 Minuten. Kenner schwören auf eine Zubereitungsart, die „butterfly“ heißt. Dabei wird der Wildreis dreimal mit kochend heißem Wasser übergossen, um danach jedes Mal komplett abzukühlen und zu quellen. Nur so, sagen die Meister, öffne er sich, werde locker und entfalte sein rauchig nussiges Aroma.