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Zitrone
Uns macht sie fit und munter, Süßem wie Herzhaftem verpasst sie eine säuerlich frische Note. Es (be)lebe die Zitrone!
Zitronen sind wahre Multitalente. Ihre vernünftigste Eigenschaft zuerst: Zitronen sind gesund. Allein durch ihren hohen Vitamin-C-Gehalt ersetzen die gelben Zitrusfrüchte die halbe Hausapotheke. Vitamin C (Ascorbinsäure) unterstützt das Immunsystem und die Wundheilung, schützt vor zellschädigenden freien Radikalen und stärkt Haare, Haut und Zahnfleisch. Dies erklärt, warum Seefahrern früher auf ihren monatelangen Törns – ohne frisches Obst und Gemüse an Bord – Haare und Zähne ausfielen. Rettung brachte erst der britische Schiffsarzt James Lind (1716–1794), der Zitrusfrüchte als Prophylaxe gegen Skorbut entdeckte. Übrigens steckt in Zitronen darüber hinaus viel Magnesium und Kalium – gut für Muskeln, Nerven und den Kreislauf.
Besonders gut für den Kreislauf ist natürlich ein Biss in die nackte Zitrone! Der Spruch „Sauer macht lustig“ bezieht sich jedoch weder auf die aufputschende Wirkung saurer Speisen noch auf lustige Zitronen-Grimassen. „Sauer macht gelüstig“ hieß es ursprünglich: Säure regt den Speichelfluss an und damit auch den Appetit.
Apropos: Ob als Saft, Abrieb der Schale (von unbehandelten Früchten) oder in Scheiben, vielen Speisen und Getränken verleiht die Zitrone den entscheidenden Pfiff. In der Variante „süßsauer“ sorgen Zucker oder die Eigensüße anderer Lebensmittel für aromatische Balance, zum Beispiel beim Zitroneneis, beim saftigen Zitronenpuffer und bei der Limonade. Die schmeckt natürlich selbstgemacht am besten, aus frisch gepressten Zitronen, Sprudel, Zucker und nach Belieben etwas Minze. Meeresfrüchte und Fisch schmecken mit einem Spritzer Zitrone weniger „fischig“. Und Salat bleibt länger knackig, wenn das Dressing Zitronensaft enthält.
Bei uns bekommt man überwiegend zwei Sorten der Frucht: Die ovale Primofiori-Zitrone ist sehr saftig und von einer dünnen, glatten Schale umhüllt. Die rundliche Verna besitzt eine dickere, rauere Schale, etwas weniger Saft, dafür aber auch kaum Kerne. Zitronen für den europäischen Bedarf werden in Spanien, Italien, Griechenland und in der Türkei angebaut. Die meisten Zitronenbäumchen weltweit aber wachsen in Mexiko.
Auch jenseits der Küche zeigt die Zitrone ihr vielseitiges Können: Die Säure wirkt als Öko-Putzmittel gegen Kalk, Keime und Flecken; bei der Körperpflege hilft sie gegen spröde Haut und Akne. Als ätherisches Aromaöl für ein Bad oder für die Duftlampe verbreitet die Zitrone ein anregendes Flair und duftet nach Sonne und Süden. „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ Als Goethe über seine Sehnsucht nach Italien schrieb, muss er ihren betörenden Duft noch in der Nase gehabt haben.
Text: Nicoline Haas