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TRINKGESCHICHTE
Wein
Foto: Elenathewise - Fotolia.com
Alte Rebsorten – neue Chancen
Seit 1850 erwärmt sich das Klima stetig. Dadurch bekommen alte Rebsorten auch in Deutschland eine neue Chance im erwerbsmäßigen Anbau, meint Rebexperte Andreas Jung.


„Noch vor 130 Jahren konnten deutsche Winzer zwischen 400 traditionellen Rebsorten wählen“, weiß der Biologe Andreas Jung zu berichten. „Davon werden heute nur noch 25 in nennenswertem Umfang angebaut.“

Aber es gibt sie noch, die alten Sorten, denn Jung hat sie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (wieder) entdeckt: Über 60 alte Rebsorten fand er an der Badischen Weinstraße, darunter die bereits ausgestorben geglaubten Sorten Fütterer und Kleinedel.

In Württemberg sichtete er Blauen Jacobin und Blauen Scheuchner, an der Nahe Orleans und in alten Silvaner-Anlagen in Franken bisher verschollene Sorten wie Adelfränkisch, Kleinweiß, Ahorntraube, Süßschwarz und das Möhrchen.

Und es gibt nach Jungs Forschungen starke Indizien dafür, dass der kalifornische Zinfandel (entspricht dem Primitivo in Italien) identisch ist mit dem elsässischen Schawernac aus dem 13. Jahrhundert.

Und was bedeuten die Funde für die deutschen Winzer? Andreas Jung, der in der pfälzischen Gemeinde Lustadt bei Germersheim ein Büro für Rebsortenkunde und Klonzüchtung betreibt: „Angesichts der unvermeidbaren Klimaerwärmung werden spät reifende, säurebetonte Sorten wieder neuen Aufschwung erleben. Niemand will nur Zuckerwasser trinken ...

Im Gegensatz zu mediterranen Sortenimporten steht für unsere historischen Sorten fest, dass sie seit Jahrhunderten standorterprobt sind. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, süditalienische Klone vom Primitivo zu importieren, wenn man fruchtbare, virusfreie und gesunde Klone vor der Haustür in Heidelberg findet.“

Inzwischen haben auch einige Winzer das Potential jahrzehntealter Rebstöcke erkannt. Sie tragen zwar im Vergleich mit jungen Reben deutlich weniger Früchte, die Weine bieten aber mehr Tiefe, mehr Finesse, mehr Komplexität und einen intensiveren Genuss.

Text: Rainer Meier

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