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TRINKGESCHICHTE
Der Bellini Cocktail wird serviert
Bellini – leicht & italienisch
Weil ein reicher Amerikaner in Venedig Pleite ging und ein freundlicher Barmann ihm aus der Patsche half, wurden der Bellini-Cocktail und der Ort seiner Entstehung zur Legende


Berühmter Pfirsich-Drink

Geboren wurde der Bellini-Cocktail in einer kleinen venezianischen Bar. Bescheiden steht sie am Ende der Calle Vallaresso, nicht einmal ein Schild weist darauf hin. Der Name „Harry’s Bar“ ist lediglich auf den Fensterscheiben des ehemaligen Lagerraums einer Seilerei eingeätzt. Und doch ist dieses Lokal legendär, eine venezianische Institution voller Geschichte und Geschichtchen. Die Kreationen seines Gründers und langjährigen Chefs Giuseppe Cipriani haben nicht nur in der gastronomischen Welt Spuren hinterlassen.

1948 erfand Cipriani die schlichte, aber süffige Mischung aus weißem Pfirsichpüree und Prosecco (im Verhältnis 1 zu 3), die wie keine andere den heiteren italienischen Sommer verkörpert. Seinem Drink gab er den Namen „Bellini“, weil dessen Farbe ihn an das rosafarbene Glühen auf den Gemälden des italienischen Renaissancemalers gleichen Namens erinnerte. Seine Bar verdankt Cipriani einem seiner Stammgäste im exklusiven Hotel Monaco direkt am Canal Grande, wo er seine Laufbahn begann. Harry Pickering, ein trinkfester Amerikaner, saß eines Tages völlig blank am Tresen und musste sich von Cipriani das Geld für die Heimfahrt leihen: 12000 Lire – die gesamten Ersparnisse des jungen Barmixers. Monatelang gab’s kein Lebenszeichen, aber eines Tages war Harry wieder da und zahlte seine Schuld mit gewaltigen Zinsen zurück: 40000 Lire – genug für ein eigenes Lokal.

Die Reichen und die Schönen

Am 13. Mai 1931 wurde die Eröffnung von „Harrys Bar“ – benannt nach dem edlen Spender – gefeiert. Von Anfang an war sie ein gigantischer Erfolg und wurde zum Stammlokal von Literaten, Künstlern, Adligen und Millionären: Aga Khan, Arturo Toscanini, Charlie Chaplin, Truman Capote und Königin Elisabeth trugen sich in das Gästebuch ein. In „Harry’s Bar“ begann die Liebesaffäre zwischen Aristoteles Onassis und Maria Callas, schrieb Ernest Hemingway seinen Venedig-Roman „Über den Fluss und in die Wälder“. In seinem Buch „Harry’s Bar, eine venezianische Legende“ schreibt Giuseppes Sohn Arrigo (italienisch für Harry) all die Geschichten auf, die das Restaurant zum Mythos haben werden lassen.
Für die Familie, die „Harry’s Bar“ in der dritten Generation führt und exakte Kopien des Stammlokals in New York und Buenos Aires eröffnete, ist das Rezept ihres Erfolgs gar kein Geheimnis: Qualität, ein Lächeln und Einfachheit.


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