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TRINKGESCHICHTE
Bio-Weinstöcke
Bio-Weine – ganz schön viel Power
In Zeiten der Globalisierung entdecken immer mehr Winzer den biologisch-dynamischen Weinbau für sich.


Vom Profi-Rugby-Spieler zum biologisch-dynamischen Winzer

Nachdem Gérard Bertrand Vater geworden war, sah der Winzer die Welt plötzlich mit anderen Augen. Als ehemaliger Profi-Rugby-Spieler im Team von Narbonne, Paris und der französischen Nationalmannschaft hatte er sich natürlich gesund ernährt und sich nur mit homöopathischen Mitteln behandeln lassen. Aber der Schritt zum biologisch-dynamischen Weinbau auf seinem 1994 erworbenen Weingut Cigalus im südfranzösischen Corbières folgte im Angesicht eines strahlenden Babys, das seine Frau Ingrid geboren hatte. Seitdem verzichtet er auf chemische Spritzmittel und Dünger, gräbt mit Kuhdung gefüllte Kuhhörner in die Erde und richtet die Arbeit im Weinberg nach der Konstellation des Mondes aus. Nach und nach will er auch seine anderen drei Weingüter auf biologisch-dynamischen Betrieb umstellen, denn nicht nur der Boden ist lebendiger geworden, enthält also mehr Bakterien als traditionell bewirtschafteter. Der Wein hat jetzt auch „viel mehr Power“, stellt der Winzer fest. Für den Elsässer Eugène Meyer war eine kurzzeitige Erblindung, die mit Homöopathie geheilt werden konnte, der Anlass, sich von der Chemie im Weinberg zu verabschieden. Der junge Winzer Werner Michlits vom Weingut Meinklang im österreichischen Burgenland hat vor fünf Jahren auf Biodynamik umgestellt – aus Überzeugung und mit Erfolg. 2003 erhielt er den angesehenen Deutschen Önologen-Preis.

"Spinner und Verrückte"

Lange Zeit galten die Anhänger von Rudolf Steiner und der von ihm begründeten Anthroposophie als Spinner und Verrückte. Doch inzwischen verlassen immer mehr Winzer die ausgetretenen Pfade des konventionellen Anbaus, verzichten auf künstlichen Dünger und chemische Spritzmittel und beleben die Böden ihrer Weinberge mit homöopathischen, pflanzlichen Mitteln. Eric Saurel von der Domaine Montirius im südlichen Rhônetal hat seine neuen Betontanks mit Kupferdrähten in Wand, Boden und Decke versehen, um elektromagnetische Spannungsfelder zu vermeiden, die den Wein negativ beeinflussen. Und für den Beton hat er „speziell informiertes Wasser“ aus Paris kommen lassen ...

Ernstzunehmende Anbaumethode

Aus dem „Landwirtschaftlichen Kurs“, den Rudolf Steiner vom 7. bis 16. Juni 1924 auf dem Gutsbetrieb des Grafen Carl von Keyserlingk vor einem ausgewählten Kreis von Landwirten hielt, ist mittlerweile eine ernstzunehmende Anbaumethode geworden, die auch auf internationalen Spitzenweingütern beherzigt wird. Neben der Begrünung der Flächen zwischen den Rebreihen mit besonderen Pflanzen und der Orientierung an der Planetenkonstellation bei der Arbeit im Weinberg werden vor allem drei Präparate eingesetzt: Kuhmist für den Boden, Kuhhorndung für die Wurzeln und mit Quarzstaub gefüllte Kuhhörner zur Förderung der Photosynthese. In biologisch-dynamisch bewirtschafteten Weingütern wird mit der Natur gearbeitet und nicht gegen sie. Der gezielte Anbau von Pflanzen zwischen den Reben erhöht den Wasserstress für die Stöcke und wirkt sich positiv auf den Wein aus: Bei einer Blindverkostung von sieben Weinen der Zeitschrift „WeinGourmet“ schnitten vier Biodynamikbetriebe besser ab als die ihrer konventionell arbeitenden Kollegen.


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