Werner Näkel vom Weingut Meyer-Näkel an der Ahr ist ein glücklicher Mann, auch wenn er Gästen nicht viel mehr bieten kann als ein paar Gläser zum Probieren. Die meisten seiner Weine sind bereits verkauft, bevor er sie in Flaschen abgefüllt hat. Seine Früh- und Spätburgunder aus den steilen Lagen im Ahrtal sind komplex und elegant, mit saftiger Frucht und großem Potenzial. Näkel war der erste deutsche Winzer, der im Ausland mit deutschen Rotweinen für Furore sorgte. Immer mehr deutsche Weinbauern haben sich an ihm ein Beispiel genommen und produzieren Klasse statt Masse und das bedeutet: Ertragsreduzierung im Weinberg, mehrmalige Lese nur der reifsten Trauben, strikte Qualitätskontrolle, schonende Vergärung der Maische und Ausbau der besten Weine in Barriques, 225-Liter-Eichenfässern, die dem Rebensaft weitere Aromen, mehr Struktur und längere Lagerfähigkeit verleihen. Sie folgen damit einem internationalen Trend weg vom Weiß- und hin zum Rotwein. In den letzten 20 Jahren ist der Anteil der Rebflächen für Rotwein in Deutschland von 11,8 auf 25 Prozent gestiegen.
Auch Näkels Ahr-Kollege Wolfgang Hehle vom Weingut Deutzerhof Cossmann-Hehle schwört auf naturnahe Bewirtschaftung der Weinberge und traditionellen Ausbau in neuen und alten Eichenfässern, die den Terroir-Geschmack seiner herausragenden Rotweine noch unterstreichen. Das über 400 Jahre alte Weingut Dr. Bürklin-Wolf im pfälzischen Wachenheim ist berühmt für seine trockenen Riesling-Spätlesen. Die warmen Hänge der Mittelhardt sind aber auch ein idealer Boden für Dornfelder, den Aufsteiger unter den deutschen Rotwein-Reben. Diese Neuzüchtung, eine Kreuzung aus Helfensteiner und Heroldrebe, zeichnet sich durch saftige Frucht und kräftiges Aroma aus. Neben der Ahr ist der badische Kaiserstuhl das wichtigste deutsche Rotwein-Anbaugebiet. 25 Prozent seiner besten Lagen am Kaiserstuhl hat Joachim Heger aus Ihringen mit Spätburgunder bepflanzt. Vinifikation in Edelstahltanks und Ausbau in großen Holzfässern ergeben sehr klare, elegante und langlebige Weine mit Struktur, Komplexität und Nachhall. Die Entwicklung der deutschen Roten ist eine spannende Geschichte – und noch lange nicht zu Ende.