Deutschlands Süße sind Spitze !
Teurer als französische Sauternes und begehrter als ungarische Tokajer, waren die deutschen Edelsüßen im 18. und 19. Jahrhundert die Könige unter den Weinen – bis sie, wie so vieles Deutsche, aus der Mode kamen. Inzwischen jedoch liegen sie international wieder ganz vorne.
Man kann sie ganz jung trinken, aber auch 50 Jahre lagern – denn erst dann entfalten sie ihre schier unglaubliche Fülle von Aromen. Der Duft von reifen Aprikosen und Pfirsichen, von Vanille, Honig, Orange und Holunderblüten steigt aus dem Glas und betört Nase und Gaumen. Mit jedem Einatmen entdeckt man neue Nuancen, jeder winzige Schluck weckt andere Assoziationen.
Grundlage edelsüßer Weine
– das sind Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein – sind Trauben, die vom Schimmelpilz Botrytis cinerea befallen wurden. Der macht die Haut der Beeren porös, Wasser verdunstet und übrig bleiben vertrocknete, edelfaule Rosinen mit einer ungeheuren Konzentration von Fruchtaromen.
Die Herstellung von edelsüßen Weinen
erfordert viel Aufwand in Weinberg und -keller: Die Trauben werden einzeln von Hand abgeschnitten, schonend gepresst und langsam vergoren. Die Beeren für den Eiswein müssen bei mindestens minus sieben Grad Celsius geerntet werden. Je nach Winzer lagern die Weine dann Monate oder sogar Jahre in Edelstahltanks oder Holzfässern. Einmal in Flaschen abgefüllt, scheint ihr Alterspotenzial fast unendlich. Selbst nach 100 Jahren können sie – bei idealer Lagerung – noch die Sinne berauschen und die Geschmacksnerven verblüffen.
Rund einem Dutzend deutscher Winzer ist es zu verdanken,
dass die edelsüßen Weine – die gar nicht süß sein müssen und in der Regel viel weniger Alkohol als „normale“ Weine haben – wieder zur Weltelite gehören: Hermann Dönnhoff von der Nahe, Fritz Haag, Reinhold Haart, Dr. Loosen und Egon Müller/Scharzhof von der Mosel, Klaus Keller aus Rheinhessen, Robert Weil aus dem Rheingau und Müller-Catoir aus der Pfalz erzielen mit ihren Rieslingen Jahr für Jahr auf Auktionen Spitzenpreise.