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TRINKGESCHICHTE
Weinberg
Die Bocksbeutelrebellen
17 fränkische Winzer haben den Müller-Thurgau wiederentdeckt: Unter dem Namen „Frank & Frei“ produzieren sie frische, fruchtige Weine.


Was verbindet ein 1999 gegründetes Weingut mit einem, das seit 1634 in Familienbesitz ist? Welche Gemeinsamkeiten haben einige Winzer im Nordosten Frankens mit Kollegen im Südwesten? Zweierlei – die Rebsorte Müller-Thurgau und den Wunsch nach einem modernen, unkomplizierten Wein für viele Gelegenheiten, quasi die fränkische Antwort auf das oft dünne norditalienische Modetröpfchen Pinot Grigio. 17 Winzer haben gemeinsam einen Weinstil kreiert, der den klassischen Bocksbeutel von seinem staubtrockenen Image befreit.

Schwarze Schafe

Um das Besondere daran zu verstehen, muß man zwei Tatsachen wissen: Müller-Thurgau ist nicht wie die meisten alten Rebsorten ein Kind des Zufalls, sondern 1882 in der Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau im Rheingau gezüchtet worden – von Dr. Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau. Er wollte die hohe Qualität, Eleganz und Komplexität des Rieslings mit der frühen Reife des Silvaners vereinen. Es ist ihm nicht hunderprozentig gelungen, nichtsdestotrotz: Im Anbau unproblematisch und äußerst ertragreich, war Müller-Thurgau Anfang der 70er Jahre die meistgepflanzte Rebsorte Deutschlands. Doch viele davon waren wässrig, plump und besaßen weder sortentypisches Aroma noch Reifungspotenzial. Unter deren schlechtem Image hatten die gut gemachten, blumig-fruchtigen Müller-Thurgaus zu leiden.

Ein Tropfen fürs Publikum

Damit zur zweiten Tatsache, die die Winzer von „Frank & Frei“ zum Handeln anspornte: In Franken liegen 1,2 Millionen Hektoliter Wein unverkäuflich in den Kellern –die fast kompletten Ernten von 1998 und 1999. Also wurde das Profil für einen publikumstauglicheren Wein aus Müller-Thurgau-Trauben entwickelt: frisch und fruchtig, mit Aromen von reifen gelben Früchten (Ananas, Aprikose, Apfel) und leicht moussierend. Dafür wurde 1996 ein umfassendes Qualitätskonzept entwickelt, vom umweltgerechten Weinbau über besonderen Rebschnitt bis hin zu vertriebstechnischer Einheitlichkeit. Nach ein und derselben Methode macht jeder der 17 Winzer einen trockenen „Frank & Frei“-Müller-Thurgau. Viermal im Jahr werden die Produkte gemeinsam verkostet – und erst dann mit dem „Frank & Frei“-Etikett versehen Auf ähnliche Weise entsteht übrigens ein trockener Rotwein, ein Cuvée aus Dornfelder, Domina, Zweigelt, Spätburgunder und Portugieser – leicht, beerig, weich und unkompliziert wie seine weißen Brüder.


Weitere Informationen unter Tel. 09333/904620 oder unter www.frank-und-frei.de


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