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TRINKGESCHICHTE
Kakaobohnen
Foto: Howard Sandler – Fotolia.com
Kakao – die bitter-süße Versuchung
Ob Tafel oder Torte, Keks oder Konfekt, Pudding oder Praline, Heiß- oder Kaltgetränk – die Idee zu all diesen Schokoträumen ging von einem kultischen Trunk der Azteken aus.


Als Hernán Cortéz anno 1519 im Namen der spanischen Krone mit Hundertschaften und Kanonen an der Küste von Veracruz landete, erwartete ihn in der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán, im heutigen Mexiko-Stadt also, eine sagenhaft reiche Kultur – unter anderem ein seltsames Gebräu, das die Bewohner „Xocolatl“ (herbes Wasser) nannten.

Es enthielt getrocknete, geröstete und gemahlene Kakaobohnen, Chili, Nelken, Zimt sowie Maismehl als Bindemittel für die fettige Kakaobutter. Zu festlichen Anlässen wurden bis zu tausend Becher pro Nacht zubereitet.

Aufzeichnungen der Konquistadoren zeigen, dass Herrscher Montezuma – wie auch andere seiner männlichen Untertanen aus den höheren Kreisen – dieses Xocolatl als Stärkungstrank und Aphrodisiakum verwendeten. Ja, Kakaobohnen galten als so wertvoll, dass sie ein durchaus übliches Zahlungsmittel abgaben: Ein Kaninchen kostete vier, nächtlicher Damenbesuch zehn, ein Sklave hundert Bohnen …

Es dauerte Jahrzehnte wechselvoller Geschichte, bis das „flüssige Gold“ auch im feinen Porzellangeschirr der Adligen Europas serviert wurde. In Deutschland verkaufte erstmals im Jahre 1640 die Ratsapotheke zu Braunschweig Kakao, 1657 öffnete in London das erste Chocolate House seine Pforten. Aufgrund extrem hoher Besteuerung konnten sich zunächst nur Reiche das Luxusgetränk leisten. Erst ab Anfang des 19. Jahrhunderts kamen auch weniger betuchte Menschen in jene bitter-süße Versuchung …

Der Kakaobaum (Theobroma cacao) wächst heute in allen tropischen Gebieten bis etwa zum 20. südlichen und nördlichen Breitengrad. Unter günstigen Bedingungen blüht der rund sechs Meter hohe Baum aus der Familie der Sterculiaceae ganzjährig. Die zunächst grünen, bis zu 30 Zentimeter langen Früchte verfärben sich mit der Reife – je nach Sorte – grüngelb bis rot.

Nach der Ernte werden sie mit der Machete aufgeschlagen. Das zuckerhaltige, weiße Fruchtfleisch, die „Pulpa“, enthält 20 bis 50 Samenkörner – die eigentlichen Kakaobohnen. Es wird in große Bottiche gefüllt und gärt bei 45° Celsius. Der entstehende Alkohol tötet die Keimlinge, und die Bohnen verlieren ihre Bitterstoffe. Übrig bleiben die fermentierten hellbraunen Bohnen in Mandelkerngröße. In der Sonne getrocknet, schrumpfen sie auf etwa ein Viertel ihres Erntegewichts und gelangen in 50-Kilo-Säcken auf dem Seeweg in alle Welt, wo man sie wie Kaffee reinigt, sortiert und röstet.

Damit daraus Kakaopulver entsteht, müssen die gerösteten, von den Schalen und Keimen befreiten Bohnen grob zerhackt, fein gemahlen und schließlich ausgepresst werden. Dabei tritt dickflüssige, ölige Kakaobutter aus, und was bleibt, ist ein „Kuchen“, der fein zu Pulver zermahlen wird – dem Stoff, aus dem die Schokoträume sind.

Dieser Prozess verdankt sich übrigens einer bahnbrechenden Erfindung des Chemikers Coenraad van Houten im Jahre 1828, die den Schritt vom Schokoladetrinken zum Schokoladeessen ermöglichte – und somit ein Schoko-Schlaraffenland gründete, mit einer paradiesischen Vielfalt an Sorten, Formen und Zubereitungsarten.

Eine der delikatesten ist und bleibt die Tasse heiße Schokolade – sei’s nach Wiener Art mit in erhitzter Milch eingeschmolzener dunkler Schokolade, mit Zucker, einem Schuss Cognac und dunklen Schokoraspeln, das Ganze garniert mit einem Sahnehäubchen; sei’s nach Art jenes Landes, wo alles begann: In Mexiko bevorzugt man eine Prise gemahlener Gewürznelken und einen halben Teelöffel Zimt dazu.


Lust auf noch mehr Schokolade? Dann lesen Sie auch unsere Essgeschichte "Verrückt nach Schokolade", mit vielen interessanten Adressen und Tipps.



In unserer Datenbank finden Sie u. a. folgende Rezepte mit Kakao:


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