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TRINKGESCHICHTE
Blumen- und Vulkaninsel Madeira
Madeira – Wein mit Geschichte
Für unsere Urgroßeltern hatte der Name „Madeira“ einen magischen Klang. Er gehörte damals zu den größten und teuersten Weinen der Welt. Heute ist Madeira den meisten Deutschen gerade mal als preiswerte Soßenwürze bekannt, doch ein neuer Liebhaberkreis wächst heran.


Viel zu Schade für den Kochtopf!

Madeira bietet jedem Geschmack etwas: Das Spektrum reicht vom trockenen, elegant-rassigen Sercial über den halbtrockenen, aber ungemein würzigen Verdelho und den feurig-fruchtigen, halbsüßen Boal bis zum körperreichen, dabei köstlich süßen Malmsey. Ein guter Madeira entfaltet einen herrlichen Duft nach gedörrten Früchten, gerösteten Nüssen, Mokka und Bitterschokolade, bei vielen sind auch deutliche Aromen von Tabak und Leder mit von der Partie. Solche Weine sollten eigentlich nicht – oder nur in Ausnahmefällen – im Kochtopf landen!

Süßes von der Blumen- und Vulkaninsel

Die kleine zu Portugal gehörende Blumen- und Vulkaninsel Madeira mitten im östlichen Atlantik auf der Höhe von Zentral-Marokko ist die Heimat des gleichnamigen Süßweins. Ursprünglich wurden mit Madeira befüllte Fässer als Ballast auf Seereisen verwendet. Der Wein durchlief so zwangsläufig einen monatelangen Reifevorgang, bei dem eine mehrmalige Äquatorüberquerung bei entsprechenden Temperaturen mit inbegriffen war. Am Ende dieser Rosskur stand dann ein dunkler und körperreicher Süßwein, dem der Zahn der Zeit nichts mehr anhaben konnte. Heute ahmt man diese forcierte Reifung des Madeiras durch ein spezielles Produktionsverfahren – „estufagem“ genannt – nach, indem man den Wein mehrere Monate auf ca. 45° C erhitzt. Einige Jahre oder auch Jahrzehnte Fasslagerung muss er noch hinter sich bringen, um schließlich in den Verkauf zu gelangen.

Ihn aufzubewahren fällt schwer!

Madeiras in überdurchschnittlichen Jahrgängen werden als Vintage ausgebaut, d. h. es befindet sich im Gegensatz zu einfachen Madeiras nur Wein aus einem Jahrgang in der Flasche. Der jüngste abgefüllte Vintage aus dem Jahr 1979 ist zu Preisen ab etwa 80 Euro zu haben. Der älteste heute zum Verkauf angebotene Jahrgangs-Madeira stammt aus dem Jahr 1795 und kostet 844 Euro (0,375 l). Hochwertiger Madeira ist nahezu alterslos und gehört zu den lagerfähigsten Weinen überhaupt. Auch geöffnete Flaschen können im Kühlschrank monatelang aufbewahrt werden, was allerdings bei einem guten Madeira schwer fallen kann ...

Aperitif oder Digestif?Beides!

Genau wie Portwein kann auch Madeira, vor allem die in kräftigerem, trockenerem Stil gehaltenen Weine, als Aperitif verwendet werden. Da ein Madeira jedoch eine gewisse Wucht und Fülle besitzt, sollte er – wenn schon zum Essen – eher danach als davor serviert werden. Madeira passt sehr gut zu Nüssen und Bitterschokolade. Selbst Zigarren können ihn nicht „einschüchtern“. Damit ist Madeira ideal für den Abschluss eines Menüs geeignet – was selbstverständlich nicht heißt, dass man sich nicht auch ab und zu ein Gläschen solo genehmigen kann.


Weitere Infos im Internet unter www.madeiravintage.de


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