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TRINKGESCHICHTE
Nach Ungarn der Weine wegen – Pincerészlet
Foto: Thummerer Pince
Nach Ungarn der Weine wegen
Schon Goethe schätzte den ungarischen Dessertwein Tokajer, doch nicht nur er. Die österreichischen, britischen und polnischen Könige waren geradezu verrückt danach. Alchimisten vermuteten darin gelöstes Gold. Europäische Fürsten ließen die Reben stehlen.


Die gedeihen bis heute im Elsass und Friaul – nur schmecken ihre Säfte gänzlich anders.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs waren auch ungarische Rotweine neben den besten französischen ungemein beliebt. In der Zeit des Kommunismus wurde allerdings auf Masse produziert und hauptsächlich für den Export in die Sowjetunion. Die guten Winzer arbeiteten im Ausland.

Erst seit der politischen Wende 1989 dürfen sie wieder Reben pflanzen und Weine keltern. Tibor Gál, der für den toskanischen Marchese Antinori den Kultwein Ornellaia kreiert hatte, kam nach Hause. Viele westliche Kellereien wie Franz Keller aus Baden, aber auch Kellereien aus Frankreich und Italien kauften in Ungarn Weinberge.

Glücklicherweise wachsen die weißen Sorten am Balaton (Plattensee), an Donau und Theiß, wo es die passenden Fischgerichte gibt. Die roten wiederum gedeihen in der nordöstlichen Hügellandschaft um Eger, wo in den Wäldern reichlich Wild geschossen wird, außerdem in Südungarn, in Villány und Szekszárd. Dort kochen die schwäbischstämmigen Winzerinnen hervorragende ungarische Gerichte dazu.

So sind an den Wochenenden die Hotels in den Weindörfern ausgebucht. Die meisten Gäste: gut gekleidete junge Leute zwischen 20 und 40 Jahren. Sie verkosten die Weine, essen eine üppige Mahlzeit und nehmen zum Abschied einige Sechserkartons mit, dazu die Erinnerung an den Händedruck ihres Weinstars. Daheim ernten sie Bewunderung, wenn sie für Freunde eine Flasche von Attila Gere oder József Bock öffnen.

Auf diese Weise verkaufen die Winzer etwa 20 bis 25 Prozent ihrer Produktion ab Keller. Dies wiederum erlaubt es ihnen, auch von den Großhändlern höhere Preise zu fordern. Dabei sind ihre Spitzenweine mit umgerechnet 10 bis 30 Euro fast geschenkt – im Vergleich zu ähnlichen Qualitäten aus Frankreich oder Italien. Den meisten Deutschen sind sie zu teuer.

Doch durch die großzügigen, fleißigen Trinker im Land – darunter auch Mitarbeiter der ungarischen Töchter von international tätigen Firmen – haben die Kellereien gegen Weihnachten keinen Tropfen mehr. Man muss also hinreisen, um die guten und hervorragenden ungarischen Weine zu entdecken. Eine Reise, die sich lohnt.

Text: Peter Meleghy

 


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