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TRINKGESCHICHTE
Noilly Prat on the rocks
Noilly Prat – mehr als nur ein Aperitif
Beim Saucenkochen hat er längst seinen festen Platz, denn er harmoniert bestens mit Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel und verfeinert süße Desserts.


Er schmeckt aber auch pur, auf Eis oder als Mixgetränk. Die Rede ist von Noilly Prat, dem aromatischen Weinaperitif aus dem kleinen Fischerstädtchen Marseillan an der französischen Mittelmeerküste.


Das Rezept für diesen trockenen Wermut wurde schon im Jahre 1800 von Joseph Noilly entwickelt. In seinem Duftlabor produzierte der erfinderische Aromatiker verschiedenste wohlriechende Getränke und Essenzen. Die Palette reichte vom Absinth bis hin zum Eau de Cologne. 1813 wurde in Marseillan die Firma Noilly gegründet. Das „Prat“ kam erst später zum Firmennamen, nachdem Claudius Prat zuerst als Direktor, dann als Schwiegersohn und später als Partner in das Unternehmen eingestiegen war.

Bis auf den heutigen Tag wird der berühmte Wermut nach dem alten Erfolgsrezept von Joseph Noilly hergestellt. Die Grundlage für Noilly Prat bilden zwei feinfruchtige Weißweine aus Südfrankreich, der Clairette und der Picpoul de Pinet. Nur Jungweine bester Qualität werden in großen gebrauchten Eichenfässern getrennt gelagert, die sich im 1850 errichteten Lagerhaus aneinanderreihen. Nach einer achtmonatigen Reifezeit lässt der Kellermeister die Weine in kleinere, 600 Liter fassende Fässer umfüllen und unter freiem Himmel auf dem alten Gutshof lagern.

„Die Fässer aus französischer Eiche sind dort direkt der heißen Sommersonne, dem maritimen Wind und der winterlichen Kälte ausgesetzt“, erklärt Jean-Louis Mastoro, der interessierte Besucher durch die ehrwürdigen Produktionsstätten in Marseillan führt. „Durch diesen in der ganzen Welt wohl einmaligen Reifeprozess erhalten unsere Weine ihren ganz eigenen Charakter und eine wundervolle goldgelbe Farbe“, erzählt Mastoro weiter. Die Fässer werden nicht ganz gefüllt, und außerdem verdunsten noch einmal acht Prozent der Weine. Mastoro spricht von einer „himmlischen Quote“, einem Tribut, den man gerne zollt. Frühestens nach einem Jahr werden die Weine miteinander verschnitten.

Mit der Zugabe von „Mistelle“, die natürlichen Traubensaft, Weinalkohol und einen winzigen Schuss Zitronen- und Himbeergeist enthält, setzt der Kellermeister sein geheimnisvolles Werk fort. Noch strenger gehütet wird die Zusammensetzung der Kräutermischung, die das delikate Aroma des Weinaperitifs vollendet. „Wir suchen in der ganzen Welt über 20 Pflanzen und Kräuter für den Noilly Prat zusammen“, erzählt Mastoro. „Ausgewählt wird nur beste Qualität. Die Kamille zum Beispiel kommt aus Italien, die Muskatnuss importieren wir aus Indonesien, den Koriander aus Bulgarien und die Flockenblume aus Marokko. Die komplette Rezeptur kennen nur wenige Mitarbeiter, und sie ist natürlich ein gut behütetes Geheimnis“, beendet Mastoro seine Führung durch die Produktionsstätten.

Insgesamt vergehen also über drei Jahre, bis der bernsteinfarbene Weinaperitif in die Flaschen abgefüllt wird. Im Showroom kann der gut gekühlte Noilly Prat natürlich verkostet werden. Neben der trockenen Version Original French Dry, die auch in Deutschland verkauft wird, können in Marseillan auch zwei lieblichere Versionen verkostet und erstanden werden.

Ein echter Geheimtipp stammt von einem Küchenchef aus Marseillan: Er bietet seinen Gästen als besondere Delikatesse frische Austern mit ein paar Tropfen Noilly Prat an. Das Geschmackserlebnis ist unvergleichlich – einfach und simpel in der Zubereitung und unglaublich in der Wirkung. Idealer Begleiter ist ein Glas eisgekühlter Noilly Prat.

Auch für den klassischen Martini Dry Cocktail eignet sich Noilly Prat. Ein Teil des Weinaperitifs wird mit zwei Teilen Greenall’s Original London Dry Gin und viel Eis gemischt. Je nach persönlichem Geschmack kann das Verhältnis der beiden Spirituosen variieren. Ob die Zutaten in einem Rührglas gemischt oder in einem Cocktail-Shaker geschüttelt werden, ist wohl eher eine Glaubensfrage. James Bond jedenfalls schwört auf die geschüttelte Variante.

Wissenschaftler konnten übrigens nachweisen, dass dies die gesündere Zubereitungsart ist. Geschüttelte Martini Dry Cocktails enthalten danach mehr antioxidatives, also zellschützendes Potenzial, da das Shaken die Drinks mit mehr Sauerstoff anreichert. Wie auch immer beide Getränke zueinanderfinden, die Mischung wird durch ein Barsieb in ein vorgekühltes kelch- oder schalenförmiges Stielglas abgegossen. Mit Zitronenschale abgespritzt und mit einer grünen Olive dekoriert – fertig ist der Starter für einen schönen Abend.


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