Er hat’s leicht gehabt, die Deutschen zu erobern. Vielleicht war es der Name, der etwas echt Italienisches versprach. Oder dieses Prickeln, das so herrlich auf der Zunge kitzelte. Warum auch immer – dem Prosecco verdanken wir, dass Schaumwein wieder in Mode ist. Dass es im Glas auch ohne feierlichen Anlass sprudeln darf, haben Genießer den achtziger Jahren zu verdanken. Damals war nicht nur die Zeit von Terminkalender und Autotelefon gekommen. Es setzte sich auch die Ansicht durch, ein perlender Wein sei erfrischender als einer ohne Kohlensäure. Und weil Champagner für „täglich“ doch zu teuer ist, schlug die große Stunde seiner günstigeren Verwandten.
Im Grunde unterscheidet sich Prosecco nur wenig vom deutschen Sekt oder spanischen Cava. Alle drei werden aus Weißwein gekeltert und erhalten durch Kohlensäure das gewisse Etwas. Wichtig ist allein der Druck: Unter 3 bar wird’s Perlwein, über 3 bar Sekt. In Italien klingt das natürlich eleganter: Dort lauten die Bezeichnungen Frizzante (Perlwein) und Spumante (Sekt). Ob man den Prosecco perlend oder sprudelnd trinkt, ist eine Frage des individuellen Geschmacks – und des Geldbeutels. Erst für Sekt (Spumante) wird die gleichnamige Steuer pro Flasche fällig. Den frischen Italiener gibt es allerdings auch in der viel günstigeren Frizzante-Version.
Wichtig für den Geschmack ist die verwendete Rebsorte. Und jene namens „Prosecco“ wächst hauptsächlich in Venetien. Ihr Siegeszug begann, als Winzer den Wein zum Sprudeln brachten und sich davon verabschiedeten, Prosecco lieblich auszubauen. In der trockenen Variante eroberte das spritzige Getränk zuerst Italien und dann den Rest der Welt. Gegenüber Champagner, Crémant oder Cava hat Prosecco neben seinem günstigen Preis einen weiteren Vorteil: Mit durchschnittlich 10,5 Prozent Alkohol ist er leichter und daher bekömmlicher als alle anderen. Das macht ihn zu einem perfekten Sommerwein, von dem es auch mal zwei Gläschen sein dürfen…
Übrigens: Wer alles über Prosecco wissen will, dem sei ein Urlaub im Veneto empfohlen. Zwischen Conegliano und Valdobbiadene verläuft die „Prosecco-Weinstraße“, eine über 40 Kilometer lange Strecke, die Besucher mitten durch eine der schönsten Regionen Italiens führt.