Beide Schriftsteller schwärmten vom Silvaner, der vor genau 350 Jahren erstmals in deutsche Erde gepflanzt wurde, und zwar am 10. April 1659 an den Hängen des Steigerwaldes im fränkischen Castell. Seit 1266 betreiben die Grafen und späteren Fürsten zu Castell dort Weinbau, heute auf 65 Hektar. Die 25 ersten Silvaner-Reben kamen aus Österreich nach Castell, deswegen hieß die Rebsorte früher auch „Österreicher“. Wie sie ins Habsburger Reich gelangte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Von Franken aus verbreitete sich der Silvaner entlang des Rheins und des Mains in ganz Deutschland und war bis in die 1970er Jahre die wichtigste deutsche Rebe. Weil man mehr auf Masse denn auf Klasse Wert legte, hieß es plötzlich: „Wenn du nichts riechst, ist es ein Silvaner.“ Das hat sich inzwischen zum Glück geändert. Junger Silvaner glänzt mit Apfel-, Zitrus- und Kräuternoten, älterer beeindruckt mit Melonen-, Mango- und Honigaromen, alles verbunden mit einer verhaltenen Säure. Silvaner aus Spitzenlagen wie dem Escherndorfer Lump in Franken überraschen zudem durch die beeindruckende Mineralität von Muschelkalk und Feuerstein.
Und: Silvaner hat Traminer im Blut, die Rebsorte mit dem höchsten Alterungspotenzial. Ferdinand Graf zu Castell-Castell zeigt darüber hinaus, dass die alte Rebsorte auch zu edelsüßen Weinen taugt.
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