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TRINKGESCHICHTE
Campari
Sommer – Sonne – Campari
Als der Mailänder Bistrobesitzer Gaspare Campari im Sommer 1862 erstmals seinen neu kreierten „Holländischen Bitter“ anbot, ahnte er nicht, dass die Kräuterspirituose – und damit sein Name – einmal weltweit bekannt sein würden.


Der Maître Licoriste

Gaspare Campari wurde 1828 als jüngstes von zehn Kindern in Turin geboren, wo er auch das Handwerk des Likörmachens erlernte. Als seine Frau und seine Töchter starben, zog er nach Mailand und eröffnete ein kleines Café. Leider fiel es der Umgestaltung des Domplatzes zum Opfer. Doch Gaspare Campari war pfiffig, denn er hatte sich beim Kauf des Hauses das Recht erworben, in der später berühmtesten Galerie der Welt, der Galleria Vittorio Emmanuele, ein Café zu eröffnen. Camparis große Leidenschaft war jedoch das Mixen und Destillieren alkoholischer Getränke. 1862 kreierte der Maître Licoriste aus 86 (!) aufeinander abgestimmten Kräutern, Wurzeln, Gewürzen und Früchten ein Getränk, das er „Holländischen Bitter“ (Bitter d'Olanda) nannte.

Treffpunkt der Schickeria

Das Getränk kam bei den Gästen sehr gut an, und schon bald hieß es nur noch „Campari bitter“. Das kleine Lokal am Eingang der Galleria, das „Bistro Camparino“, wurde bald zum Treffpunkt der Mailänder Schickeria und ihrer prominenten Gäste. Man nahm dort Aperitif und Digestif – und man tut es noch heute. Nach dem Tod von Gaspare übernahm sein Sohn Davide den Familienbetrieb und machte den „Campari“ weltweit bekannt, so auch 1950 in Deutschland. Inzwischen ist er in mehr als 190 Länder ein fester Begriff. Der Campari wird heute längst nicht mehr nur in Mailand hergestellt. Allein in Italien existieren rund zwanzig Produktionsstätten, weitere 25 sind noch in der ganzen Welt verstreut.

Campari, der aromatische Kräuterlikör

Seine Herstellung ist eigentlich ganz einfach: Kräuter, Wurzeln, Gewürze und Früchte aus aller Welt – die genaue Mischung ist noch immer geheim – werden in heißem, destilliertem Wasser mit Zitrusfruchtschalen aufgeweicht und mit reinem Alkohol und Farbstoff versetzt, danach gefiltert und mit einer Zuckerlösung auf einen trinkbaren Alkoholgehalt von etwa 25% gebracht.
Der leuchtend rote, wasserlösliche Farbstoff Karmin bzw. Karminsäure ist der einzige zugelassene Lebensmittelfarbstoff tierischer Herkunft (E 120). Er wird von den Weibchen der Cochenille-Schildlaus abgesondert, die auf einer speziellen, in Mexiko kultivierten Kaktus-Art gezüchtet wird. Schon die Azteken haben das Cochenille-Sekret zum Färben von Textilien und Lebensmitteln genutzt. Heute ist er auch Bestandteil teurer Lippenstifte.

Campari als Aperitif

Campari ist einer der klassischen Aperitifs, die man vor dem Essen genießt, um den Appetit anzuregen und die Geschmacksknospen auf das Essen einzustimmen. Er wurde mit Orangensaft oder Sodawasser zum internationalen Aperitif-Schlager. Campari ist eine Lieblingsspirituose der Barkeeper, denn er lässt sich mit vielen anderen Getränken kombinieren, zum Beispiel mit Grapefruitsaft, Tonic Water oder Bitter Lemon, mit Prosecco oder Sekt, Sherry oder als Cocktail mit Gin, Cinzano oder dem Energydrink „Red Bull“.

Das richtige Servieren von Campari

Wird der Aperitif zu Hause gereicht, sollte man sich an folgende Richtlinien halten:

1. Zum Garnieren stets Orangenschalen oder -scheiben verwenden – Zitrone beeinträchtigt den Geschmack.
2. Campari immer gut gekühlt lagern und kalt servieren.
3. Campari immer mit Sodawasser mischen, nie mit Tafel- oder Mineralwasser.


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